Berichte » 06. Oktober 2008
Spielbericht aus Söflingen: «Ein Kleiner ganz groß - Philipp Frey führt Söflingen zum 36:32»
Philipp Frey lässt sich nicht aufhalten. Auch nicht von Oliver Groß. Der Konstanzer sieht für einen missglückten Versuch die Rote Karte. Foto: Maria Müssig Für einen Moment dürfte sich der Konstanzer Torhüter Patrick Glatt wie in einem Flipperautomat gefühlt haben. Die Kugel (hier der Ball) sprang zwischen ihm, dem Pfosten und Boden lustig hin und her, bevor sie nach einer kleinen Ewigkeit dann doch ins Loch (hier das Tor) kullerte. Insgesamt 36 Mal musste Glatt in der Kuhberghalle hinter sich greifen, aber dieser Ball dürfte einer der bittersten gewesen sein. Auch, weil der Schütze Philipp Frey heißt. Und eigentlich Linksaußen und nicht größer als 1,78 Meter ist. Diese Umstände hielten den Söflinger aber an diesem Abend nicht davon ab, auch aus dem Rückraum zu werfen - und zu treffen.
"Das war, glaube ich, mein erster Schlagwurf aus dem Rückraum. Es gibt so Tage, wo auch solche Bälle reingehen", wundert sich Philipp Frey selbst ein bisschen. Weit weniger verwunderlich war der Söflinger 36:32-Sieg gegen Konstanz (wie in Sonntag Aktuell berichtet) und damit der dritte Erfolg im vierten Regionalliga-Spiel. Denn die Hausherren haben in einer Begegnung auf hohem Niveau nicht nur erfolgreich, sondern auch attraktiv gespielt. Obwohl in der ersten Halbzeit die etatmäßigen Rückraum-Akteure wenig Zählbares beitrugen, behielt die TSG immer das Heft in der Hand. Und Philipp Frey sprang eben auch im Rückraum in die Bresche. "Viele Gegner denken sich: So einen kleinen Linksaußen kann man ruhig werfen lassen", glaubt der 22-Jährige. Doch nicht erst seit diesem Spiel sollte sich in der Liga langsam herumgesprochen haben, welch riesiges Talent da im Söflinger Trikot mit der Nummer 7 steckt. Für neun Tore sorgte er allein gegen Konstanz - und für jede Menge Mut im Team. "Philipp hat es mit seinen Würfen ja erzwungen, dass wir es selbst auch mit Werfen probieren", meint Jacob Fritsch. Nach Freys besagtem Schlagwurf nahmen plötzlich die eigentlichen Rückraum-Akteure wieder ihr Herz in die Hand.
Zuweilen macht es den Eindruck, als ob der Wirbelwind Frey immer noch unterfordert ist. Obwohl er in der 5:1-Abwehr als vorgezogener Mann ständig auf Achse ist. Obwohl er reihenweise Konter läuft. Obwohl er volle 60 Minuten durchspielt. Auch am Samstag sah der Linksaußen nach Schlusspfiff frischer aus als so mancher Zuschauer. "Wenn es mal schlimm ist, ruft man eben den Wischer. Da kann ich mich ein paar Sekunden erholen", sagt er. Gegen Konstanz war das nicht nötig.
Kein Söflinger zweifelt daran, dass Frey, der im Nicht-Handball-Leben Fitness-Coach ist, diese hohe Drehzahl über die gesamte Saison halten kann. Trainer Eckard Nothdurft: "Wenn er auf der Bank sitzt, hippelt er so lange neben einem rum, bis er wieder rein darf." Also lässt er ihn lieber gleich ganz auf der Platte. Dort entwickelt das 70-Kilo-Leichtgewicht eine Durchsetzungskraft, die manchmal erstaunlich ist. Selbst als Gegenspieler Oliver Groß ihn ungeschickt stoppen wollte, und dieser sogar dafür die Rote Karte sah, sprintete Frey unbeirrt voran. Und trieb den Konstanzer Torhüter ein weiteres Stück in Richtung Verzweiflung.
TINA ZANDER in der Südwest-Presse vom Montag, 6. Oktober 2008










