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Geist der HSG zurück: Konstanz setzt Ausrufezeichen gegen Eisenach

Jubel-HSG-Konstanz-Eisenach

Riesiger Jubel in der Schänzlehölle: Als Außenseiter ins Rennen gegangen, wurde Eisenach sensationell niedergerungen. Der Befreiungsschlag!

 

2. Handball-Bundesliga:

HSG Konstanz – ThSV Eisenach 30:25 (12:11)

 

Der Geist der Schänzlehölle und der HSG Konstanz aus den letzten beiden Spielzeiten sind zurück. Im vierten Spiel ist der HSG Konstanz der erste Saisonsieg gelungen. Mit einem überragenden Konstantin Poltrum zwischen den Pfosten, einer bärenstarken Abwehr, einem kaum zu stoppenden Paul Kaletsch und vor allen Dingen einer starken Mannschaftsleistung rang die HSG den Ex-Erstligisten ThSV Eisenach vor stimmungsvoller Kulisse mit 30:25 (12:11) nieder und kletterte auf Tabellenplatz 14.

 

Am Ende war wieder alles so, wie es schon so oft im brodelnden Hexenkessel am Ufer des Seerheins zuging. Ein Auf und Ab der Gefühle, Spannung ohne Ende und ganz besondere Momente. So wie der, als ThSV-Torjäger Matthias Gerlich beim Stand von 28:25 eineinhalb Minuten vor Schluss zum Siebenmeterpunkt schritt – zum Duell mit Konstantin Poltrum. Bangen und Zittern auf der Tribüne. Kurz darauf schnellte das rechte Bein des ehemaligen Jugend- und Junioren-Nationaltorwarts blitzschnell in die Höhe, blieb dabei stehen, tauchte sofort ab und fischte auch noch den direkten Nachwurf des Rückraum-Hünen weg. Wie schon 18 Mal zuvor blieb Poltrum Sieger und hatte mit 19 Paraden und 43 Prozent gehaltenen Würfen großen Anteil am Konstanzer Befreiungsschlag. Die Halle tobte, nun marschierte Felix Klingler über das halbe Spielfeld und traf zum 29:25, ehe Tim Jud mit dem 30:25 per Siebenmeter den krönenden Abschluss besorgte, der im Jubel der Fans und Spieler fast unterging.

 

„Uns sind einige Steine vom Herzen gefallen“, gestand HSG-Trainer Daniel Eblen nach einer intensiven Partie, in der seine Mannschaft zu der Form und den Tugenden zurückgefunden hatte, die sie letzte Saison so stark und unberechenbar gemacht hatten. Wie schon damals, als alle Mannschaften aus den Top Sechs bis auf Meister Lübbecke bezwungen werden konnten, gelang den Gelb-Blauen vom Bodensee ausgerechnet gegen ein Topteam und in der Rolle als krasser Außenseiter das ersehnte erste Erfolgserlebnis. „Wir haben gut gespielt, hatten jedoch erneut Phasen dabei, in denen wir uns schon gefragt haben, was hier passiert. Da waren wir viel zu schusselig und haben erneut viele Fehler gemacht“, erklärte der A-Lizenzinhaber.

 

Eine dieser Phasen hatte seine junge Equipe gleich am Anfang zu überstehen, als Eisenach aus einem 6:6 ein 9:6 (17.) für sich machte. Konstanz hatte wieder mit einer hohen Fehlerquote, den eigenen Nerven und der Chancenverwertung zu kämpfen. Aber Konstanz hatte auch einen beeindrucken Kampfgeist, eisernen Willen und pure Entschlossenheit dagegenzusetzen. Über eine tolle Mannschaftsleistung mit einer beweglichen, sehr aggressiven Deckung kauften die Gastgeber den großgewachsenen Rückraumspielern der Thüringer immer wieder den Scheid ab, glichen durch Sebastian Bösing zum 10:10 aus und warfen sich durch den starken Felix Klingler zum 12:11 nach 30 Minuten in Front.

 

„Ich bin richtig froh“, sagte Daniel Eblen nach Schlusspfiff und wischte sich dabei den Schweiß von der Stirn, „dass es in einem richtig guten Spiel nun geklappt hat und wir dabei eine so tolle Unterstützung bekommen haben.“ Nach der Pause hatte sein Team genau da weitergemacht, wo es vor dem Seitenwechsel aufgehört hatte: mit dem Torewerfen. Schnell konnten sich die Südbadener auf 14:11 (32.), bald sogar auf 20:15 (44.) absetzen. Sinnbildlich für die deutlichen Zeichen, die die Hausherren aussendeten, dass dieser Sieg ihnen gehören sollte, waren Mathias Riedel, der in Unterzahl mit letztem Einsatz gerade noch so an einen langen Wurf des ThSV Eisenach herankam – und den Bogenlampen-Ball damit entscheidend ablenkte, sodass Konstantin Poltrum im Sprint, mit einem Hechtsprung, gerade noch zur Stelle war und endgültig klären konnte.

 

Immer dann, wenn es für Konstanz im Angriff schwierig wurde, war Lebensversicherung Paul Kaletsch zur Stelle und hämmerte wie im Schlaf einen Ball nach dem anderen – selbst unter größter Bedrängnis und schier unmöglichen Wurfpositionen – unter die Latte des Gästetores. Zwölfmal, bei lediglich 17 Versuchen, ließ es der Anführer hinter den Eisenacher Torhütern klingeln. Dazu kamen echte Klasse und Nervenstärke von Felix Klingler, der per gefühlvollem Heber zum 23:21 vollendete und Chris Berchtenbreiter, der sich selbst in der Umklammerung eines Gegenspielers und mit dem Rücken zum Tor nicht aufhalten ließ: Rückhandwurf, Tor, 24:23 – und die Schänzlehölle kochte. Schließlich kamen drei verrückte letzte Spielminuten, in denen die Konstanzer Youngster gegen eine der erfahrensten Mannschaften der Liga von 26:25 auf 30:25 stellten und anschließend wie wild durch die Halle hüpften. Pure Erleichterung, pure Freude, pures Glück. Lange hatten sie darauf gewartet.

 

Jetzt gab es kein Halten mehr auf und unterhalb der Ränge. Eblen war zufrieden, analysierte nach den ersten Emotionen aber sachlich: „Die Abwehr war deutlich besser als am Freitag in Saarlouis. Dennoch waren wieder Phasen dabei, in denen wir den Ball im Gegenstoß verlieren und direkt selbst welche kassieren. Paul und Felix haben hier ganz wichtige Tore beigesteuert.“ Der wiederbelebte HSG-Geist sei, so der 42-Jährige, „nicht weggewesen. Wir haben uns jetzt nur auch spielerisch gesteigert.“

 

HSG Konstanz – ThSV Eisenach 30:25 (12:11)

 

HSG Konstanz: Konstantin Poltrum (19 Paraden/davon zwei Siebenmeter),Stefan Hanemann (Tor); Benjamin Schweda, Mathias Riedel (4), Tom Wolf (1), Paul Kaletsch (12/3), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann, Felix Gäßler, Tim Jud (2/2), Samuel Wendel, Chris Berchtenbreiter (3), Maximilian Schwarz, Sebastian Bösing (3), Felix Klingler (5).

Trainer: Daniel Eblen

 

ThSV Eisenach: Redwitz (6 Paraden), Gorobtschuk (2 Paraden) (Tor); Iffert, Wöhler (3), Meoki (3), Gerlich (6), Miljak (1), Schliedermann (1), Urban (2/2), Richardt, Popa, Mürköster (2), Niemeyer (1), Weyhrauch (2), Saul (4/1).

Trainer: Christoph Jauernik

 

Zuschauer: 900 in der Schänzle-Sporthalle Konstanz.

 

Schiedsrichter: Ramesh und Suresh Thiyagarajah

 

Zeitstrafen: 8 – 12 Minuten (Wolf, Bösing, Berchtenbreiter 2 – Meoki, Wöhler 2, Niemeyer 2, Saul)

 

Siebenmeter: 6/5 – 5/3 (Kaletsch an Latte – Gerlich und Urban scheitern an Poltrum).


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