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Dienstältester Konstanzer Simon Flockerzie vor Karriereende: „Die HSG ist mein Heimatverein“

Dienstältester Konstanzer Simon Flockerzie vor Karriereende: „Die HSG ist mein Heimatverein“

Simon Flockerzie: Viel hat die HSG ihm und er ihr zu verdanken. Nach acht Jahren verabschiedet er sich in den Handball-Ruhestand.

 

Schon im achten Jahr trägt Simon Flockerzie das Trikot der HSG Konstanz – kein Spieler ist länger im Kader der ersten Mannschaft dabei. Nach dieser Saison ist Schluss für den 31-jährigen Kreisläufer. Flockerzie verabschiedet sich dann erst einmal in eine Familienpause – danach kann er sich durchaus eine andere Position bei seiner HSG, seinem „Heimatverein“ wie er selbst sagt, vorstellen. Als Abschied hat der dienstälteste Spieler des Zweitligisten davor nur einen Wunsch: den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga.

 

Es war im November 2010, als Simon Flockerzie vom HBW Balingen-Weilstetten den Weg nach Konstanz fand. Neun Spiele hatte die HSG Konstanz damals schon in der Saison 2010/11 in der drittklassigen Regionalliga absolviert – und dabei sechsmal verloren. Ausgerechnet in der Saison, als die nur 15 Mannschaften starke Liga sich im Umstrukturierungsprozess hin zur 3. Liga befand und knapp die Hälfte der Mannschaften absteigen musste. Mit ihrem neuen Kreisläufer-Kraftpaket Simon Flockerzie gab es in den nächsten sechs Partien keine einzige Niederlage, fünfmal war die HSG siegreich und am Ende der Saison wurde mit Platz sieben souverän die neugeschaffene Liga erreicht. „Daran kann ich mich noch sehr genau erinnern“, sagt HSG-Präsident Otto Eblen. „Alleine das zeigt schon seinen sportlichen Stellenwert, wo bei uns die Kreisläufer doch traditionell ein wichtiges Element unseres Spieles sind.“ Weiter erzählt Eblen: „Simon war damals einer der neuen Generation bei der HSG und der erste Spieler, der vom HBW zu uns kam – später sind ihm einige gefolgt.“ Neben Matthias Stocker etwa Mannschaftskapitän Fabian Schlaich oder Gregor Thomann.

 

Gemeinsam ging zuletzt mit der Süddeutschen Meisterschaft und dem Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga im zarten Alter von 30 Jahren ein Lebenstraum für den in der Schweiz arbeitenden Klinikmanager in Erfüllung. Sichtlich bewegt bringt Otto Eblen seine große Wertschätzung für den lange auch im Management der HSG engagierten Flockerzie zum Ausdruck: „Er hat immer die langfristige Entwicklung gesehen und das Ergebnis nicht an einzelnen Niederlagen festgemacht. Es ging mit ihm stetig bergauf mit der HSG Konstanz. Daran hat er großen Anteil – dass er sich dann zum Schluss hier bei der HSG seinen Kindheitstraum von der 2. Bundesliga erfüllen kann ist ein Highlight, ist einfach großartig.“ Zumal Flockerzie nicht nur viel für den Handball investiert, sondern auch einiges dafür ertragen hat. Besonders schwer war eine viermonatige Verletzungspause. Fußbruch, Knorpelbruch und sechs gebrochene Rippen lautete die niederschmetternde Diagnose. Es folgten mehrere schwere Grippen. „Deshalb“, so der Kreisspieler, „ist neben dem Aufstieg auch vor allem meine Rückkehr in die Schänzle-Hölle unvergessen. Es war bewegend, die tolle Unterstützung der Zuschauer bei meinem Comeback zu spüren. Dazu meine Eltern mit Tränen in den Augen auf der Tribüne – pure Gänsehaut.“

 

Schon seit Monaten steht nun jedoch für den gebürtigen Weingartener nach 15 Spielzeiten im aktiven Handball fest, dass es Zeit ist zu gehen. „Das sind schon gemischte Gefühle“, blickt er nachdenklich auf den 10. Juni, den letzten Spieltag und sein letztes Handballspiel. „Ein Stück weit ist Vorfreude dabei, dass etwas Neues kommt, der Körper Ruhe bekommt – aber auch Traurigkeit, dass es vorbei sein wird.“ Mit einem Lächeln ergänzt er: „Ich bin schon ein wenig besorgt, was ich mit der vielen Freizeit am Wochenende anfangen soll.“ Bislang hatte er durch den Handball nie länger als eine Woche Sommerurlaub. Das soll sich ändern. Vier Wochen wird er im Sommer zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in der Bretagne verbringen.

 

Doch kann einer wie Simon Flockerzie wirklich ohne Handball und seine HSG? Denn, so erzählt er mit fester Stimme, groß geworden beim HBW Balingen-Weilstetten: „Auch wenn Balingen als Stadt Heimat bleiben wird: Die HSG ist mein Heimatverein.“ Und zufrieden ergänzt er: „Ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass es in meiner Zeit hier nach einem turbulenten Beginn jedes Jahr weiter nach vorne ging.“ Seinen großen Ehrgeiz, der sich auf dem Spielfeld, aber auch in seiner verantwortungsvollen beruflichen Position zeigt, brachte er zudem hinter den Kulissen im Management ein. „Wir haben uns dafür entschieden, dass wir den Weg nach oben sukzessive angehen wollen und haben dieses Projekt angepeitscht.“ So wurde der Superball entwickelt und etabliert, die HSG-Akademie gegründet und die Struktur und das Umfeld Stück für Stück professionalisiert sowie die traditionell gute Jugendarbeit zusammen mit dem Anschluss an ein hochklassig spielendes Perspektivteam weiter forciert. „Es ist schön, dass ich dazu einen Teil beitragen konnte, nachdem wir den Anspruch hatten, diesen Schritt zu wagen“, nickt er zufrieden.

 

Lange Jahre bildete er zusammen mit Sebastian Groh das beste und erfolgreichste Kreisläufer-Duo der 3. Liga. Zusammen waren sie von kaum einem Gegner zu kontrollieren und meist der Schlüssel zum Erfolg. Und auch wenn er – beruflich in seiner Führungsposition sehr eingespannt – nicht mehr so viel trainieren und zu den Auswärtsspielen reisen kann: seine Cleverness ist außergewöhnlich. „Als Gegenspieler macht es keinen Spaß auf mich zu treffen“, grinst der Chef in der Konstanzer Deckung. Da die HSG mittlerweile mit Chris Berchtenbreiter, Sebastian Bösing und Manuel Both über drei junge, bärenstarke Kreisläufer verfügt, fällt Flockerzie das Loslassen seines „Babys“ leichter. Im Training wird er den drei Talenten freilich weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen, seine Erfahrung weitergeben und sich selbst – in reduziertem Umfang – fit halten. „Wir haben nun die Nachfolger, die wir gebraucht haben. Deshalb ist der Zeitpunkt für meinen Rückzug genau richtig.“

 

Schließlich wartet zu Hause, in der frisch bezogenen neuen Wohnung Ehefrau Doro und ein echtes Baby. Otto Eblen kann den Schritt deshalb gut nachvollziehen: „Beruf und Familie gehen nun vor.“ Aber Eblen wäre nicht Eblen, wenn er schnell hinzufügen würde, dass „der Handball nun in den Hintergrund tritt – bis die Kinder laufen können. Wir haben jedenfalls keine Nachwuchssorgen und freuen uns auf die nächste Generation.“ Zudem besteht die Hoffnung, dass Simon Flockerzie später eine andere Funktion bei der HSG übernimmt. Flockerzie: „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber ich kann mir nach etwas Abstand alles bei der HSG vorstellen – nur nicht die Trainerposition.“ Bei der Frage nach den Gründen umspielt ein Schmunzeln seine Lippen: „Dazu hätte ich nicht die Geduld mit meinen Spielern und den Schiedsrichtern.“

 

Am 10. Juni, beim letzten Saisonspiel der HSG, wird er deshalb zunächst einen emotionalen Abschied in der Schänzle-Hölle feiern. Ein alternativloser Schritt, wie er ausführt, denn „die 2. Bundesliga wird als erste Profiliga geführt – und das ist auch richtig so.“ Neben einer anspruchsvollen, zeitintensiven beruflichen Herausforderung sei dies nicht zu stemmen. „Körperlich und zeitlich nicht.“ Vor allem seiner Frau möchte er seine häufige Abwesenheit nun nicht mehr länger zumuten. Seit über 14 Jahren sind die beiden ein Paar und Flockerzie rechnet vor: „Doro hat mehr als 250 Wochenenden ganz alleine gestemmt, fast jeden Abend auf mich verzichtet. Es ist nun Zeit für einen neuen Abschnitt.“ Neben Arbeit und Familie steht die Regeneration seines Körpers im Vordergrund. Schulter und Knie sind angeschlagen. Direkt nach der Saison wird er sich einer längst nötigen Operation unterziehen und eine Bizepssehnenruptur korrigieren lassen.

 

Davor wird er noch einmal alles geben, für den Klassenerhalt, für seine HSG. „Das wäre ein Riesenerfolg, den keiner erwartet hat“, sagt Flockerzie. Und wichtig für die weitere Entwicklung seines Heimatvereins. Denn der Ex-Balinger hat schon seit langem große Visionen. „Ich sehe das Potenzial in Konstanz für Handball noch längst nicht ausgereizt. Ich halte die 1. Bundesliga für möglich. Ich bin davon überzeugt, dass, wenn die großen regionalen Unternehmen auch groß einsteigen, hier – zusammen mit dem Konstanzer Weg – bessere Voraussetzungen gegeben sind als an manchem Erstliga-Standort. Denn das Produkt, was wir haben, können wenige anbieten.“

 

Möglichst schnell möchte er daher den Klassenerhalt feiern und noch einmal alle Emotionen und Erfahrungen im Bundesliga-Unterhaus genießen. Getrennt voneinander befragt geben Simon Flockerzie und Otto Eblen dabei den gleichen Gedanken wider: „Wir haben einander sehr viel zu verdanken und ein ganz besonderes Verhältnis.“ Es war eben Liebe auf den ersten Blick, als man sich damals, vor seinem Wechsel an den Bodensee, das erste Mal in einem Rottweiler Restaurant traf, sich lange unterhielt und auf Anhieb bestens verstand. Schon damals ging es bei weitem nicht nur um Handball. Auch um ehrgeizige Zukunftspläne – mit der HSG-Familie. Und aus dieser geht man nie so ganz, wie Otto Eblen weiß: „Wir sind froh und sehr dankbar, dass Simon ein Teil von uns ist und bleiben wird. Wir wünschen ihm alles Gute für seine Wege und wissen, dass sie die unseren bald wieder treffen werden.“

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