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Einziger Schweizer der 2. Bundesliga: Spielmacher verlängert bei HSG Konstanz

Einziger Schweizer der 2. Bundesliga: Spielmacher verlängert bei HSG Konstanz

Trotz der kleinen Niederlagenserie in den letzten drei Partien unter anderem bei den großen Favoriten Rimpar und Hamm gibt es bei der HSG Konstanz viel Grund zur Freude. Mit 14 Punkten rangieren die Bodensee-Handballer auf dem elften Tabellenplatz der 2. Handball-Bundesliga und sind der Aufsteiger, der mit bislang im Schnitt 1243 Zuschauern pro Heimspiel den besten Wert – und damit auch insgesamt eine Top-Ten-Platzierung – vorzuweisen hat. Alles Gründe, die HSG-Spielmacher Tim Jud zur vorzeitigen Vertragsverlängerung veranlasst haben. Der 22-jährige Mittelmann unterschrieb trotz laufenden Vertrages bis 2017 einen neuen Kontrakt bis zum 30. Juni 2018. „Ein Statement“, so der junge Schweizer, „wie gut es mir in Konstanz gefällt und dass ich den Weg mit der HSG weitergehen möchte.“

 

Direkt durch dicht bebautes Konstanzer Stadtgebiet verläuft die Grenze zur Schweiz und der Nachbarstadt Kreuzlingen, mit der die größte Stadt am Bodensee eine Agglomeration von über 120 000 Einwohnern bildet. Und dennoch stand bis Sommer 2015 kein einziger Schweizer im Kader der HSG Konstanz. Erst Tim Jud verließ das kleine 8,3-Millionen-Einwohner-Land Richtung Konstanz, um sich in Deutschland weiterzuentwickeln. „Ich wollte unbedingt in die 2. Bundesliga – und dass wir das sofort im ersten Jahr mit dem Aufstieg geschafft haben, ist natürlich genial“, lächelt der ehrgeizige Spielgestalter aus einer echten Handballer-Familie. Die Mutter früher Erstliga- und Nationalspielerin, der Vater Trainer in der Schweizer Eliteklasse und beide heute zusammen Geschäftsführer bei Pfadi Winterthur, der Bruder dort Leistungsträger und auch schon mit Einsätzen für die Schweizer Nationalmannschaft – Handball ist Thema Nummer eins, wenn die Familie Jud zusammenkommt. So wurde auch der Schritt aus der höchsten Schweizer Liga in die 3. Liga nach Deutschland diskutiert – und von allen befürwortet, lange bevor zwischenzeitlich mit Andy Schmid der berühmteste Schweizer Handballer und einer der besten der Welt vor wenigen Tagen jungen Schweizer Talenten unbedingt zum Wechsel in das Ausland geraten hatte. Er selbst habe erst dort richtig Handballspielen gelernt, meinte der Bundesliga-MVP. Dennoch ist Tim Jud derzeit der einzige Schweizer im deutschen Bundesliga-Unterhaus.

 

„Natürlich ist das ein großer Schritt“, gibt auch Tim Jud zu bedenken, „dafür muss man bereit sein, für den Auszug aus dem Elternaus, für ein ganz neues Umfeld – aber gerade dadurch lernt man extrem viel und kann den nächsten Schritt machen. Für mich war es genau der richtige.“ Das zeigen seine Auftritte in der stärksten zweiten Liga der Welt. Trotz seines jungen Alters führt er ruhig, mit tollen Ideen, sehr überlegt und klug Regie im als eines der jüngsten und unerfahrensten Teams der 2. Bundesliga geltenden HSG-Team und scheut sich dabei auch nicht, viel Verantwortung zu übernehmen. Cheftrainer Daniel Eblen lobt seine tolle Entwicklung und hebt Tim Juds Rolle für seine junge Mannschaft hervor: „Er ist sehr wichtig für uns und ist auch so etwas wie der verlängerte Arm des Trainers. Tim hat sich sehr stark entwickelt, auch an Torgefährlichkeit zugelegt und athletisch einiges draufgepackt. Er zeichnet sich durch große Spielintelligenz aus.“

 

Anfangs sei sein Wechsel in der Heimat im beschaulichen Uster am Zürichsee schon manchmal kritisch beäugt oder gar als Rückschritt bezeichnet worden, sagt Tim Jud. „Das habe ich nie so gesehen, denn ich war vom Gesamtpaket der HSG voll überzeugt“, erzählt der BWL-Student. „Ich kann hier hochklassigen Handball ideal mit meinem Studium kombinieren. Und jetzt kommt auch immer mehr der Umschwung und viele sehen und möchten auch gerne den Stellenwert, den die 2. Bundesliga innehat. Mein Ziel war es von Anfang an, weiter voranzukommen.“ Mit spielerischer Weiterentwicklung und verbesserter Deckungsarbeit ist ihm dies gelungen, wie Andre Melchert bestätigt. „Wir freuen uns“, sagt der Sportliche Leiter der HSG Konstanz, „dass Tim seinen Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert hat. Tim hat sich schnell in Konstanz eingelebt und konnte sofort Verantwortung übernehmen. Mit Matthias Stocker bildet er ein sehr gutes Gespann auf Rückraum Mitte.“

 

Der 1,84 Meter große ehemalige Junioren-Nationalspieler ist indes noch nicht ganz zufrieden. In einer Klasse, die im Gegensatz zur Schweiz, wo vier Topclubs das Geschehen meist überlegen dominieren, an jedem Wochenende Topleistungen erbracht werden müssen, will er sich weiter stabilisieren. „Da kann noch mehr gehen“, erklärt er entschlossen. Alles Ausdruck seines großen Ehrgeizes, denn nach zwei Europameisterschaftsteilnahmen mit den Junioren der Eidgenossen liegt der große Traum auf der Hand: einmal, wie sein Bruder schon, für die Schweizer A-Nationalmannschaft auflaufen. Dass er sich durchaus berechtigte Hoffnungen machen darf, zeigen die Aussagen von Michael Suter, seit März Trainer der Schweizer Nationalmannschaft und früher bereits Junioren-Nationalcoach von Tim Jud. „Ich habe alle jungen Schweizer Spieler im Blick. Momentan haben wir uns aber für diesen 20er-Kader entschieden. Es freut mich, wie er sich in Konstanz entwickelt hat“, sagte Suter am Randes des EM-Qualifikationsspiels gegen Deutschland. „Ich habe den Verantwortlichen in Konstanz versprochen, demnächst auch mal zu einem Spiel zu kommen.“

 

Bis dahin freut sich der junge Mittelmann auf weitere Spiele in der Schänzle-Hölle. Denn, insofern gesteht er einem Klischee durchaus viel Wahres zu, in Deutschland und vor allem in Konstanz seien die Fans von der ersten Sekunde an mit dabei. Jud: „Das ist schon die Mentalität, wir Schweizer sind immer etwas zurückhaltender, die Deutschen viel direkter. Beim Handball ist die Begeisterungsfähigkeit schon beeindruckend, dafür brauchen wir viel länger.“ Hochdeutsch und der alemannische Dialekt in Konstanz sind dabei schon längst kein Problem mehr, nur wenn er im Mannschaftsbus Nachrichten auf Schweizerdeutsch schreibt und gleichzeitig in Hochdeutsch antworten soll, wird es schwierig. „Dann kann ich schon mal durcheinander kommen“, lacht er. Sehr zur Freude seiner Mitspieler, mit denen er am Saisonende unbedingt den Klassenerhalt feiern möchte, vor allem dank wichtiger Punkte „mit unseren lautstarken Fans im Rücken. Wir haben jetzt noch drei wichtige Spiele bis zur Spielpause. Bislang können wir zufrieden sein, doch da müssen wir Spiel für Spiel weitermachen.“ Mit Hühnerhaut in der Schänzle-Hölle, wie in der Schweiz die Gänsehaut heißt. Immer auf den Spuren der erfolgreichen Mutter und des großen Bruders, seines Vorbilds. Vielleicht aber sogar irgendwann zusammen in einem Team – für die Schweizer „Nati“.

 

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