„Mein Herz hängt an der HSG“ – Kapitän Matthias Faißt im großen Abschiedsinterview und Stimmen zu seinem Abschied

Matthias Faißt ist ein außergewöhnlicher Sportler mit außergewöhnlicher Persönlichkeit, der die HSG Konstanz nach acht erfolgreichen gemeinsamen Jahren viel zu verdanken hat. Zu seinem Karriereende haben wir uns auf Stimmenfang begeben und auch seine langjährigen Weggefährten zu Wort kommen lassen.

 

Danke Matze für die wundervolle gemeinsame Zeit und alles, was Du uns auf und abseits des Spielfeldes in all den Jahren gegeben hast!

 

Zur Person Matthias Faißt:

 

Matthias Faißt, 28-jähriges Rückraum-Ass und Abwehrdirigent der HSG Konstanz, wurde in Sulz am Neckar geboren und wuchs in Alpirsbach im Schwarzwald auf, wo er zunächst beim TV Alpirsbach das Handballspielen erlernte. Über den TuS Schutterwald kam der 1,92 Meter große und 98 Kilogramm schwere Shooter im Sommer 2007 zusammen mit seinem Bruder Sebastian, der als Bundesligaspieler und eines der größten deutschen Handballtalente 2009 im Einsatz für die deutsche U21-Handball-Nationalmannschaft verstarb, an den Bodensee. Zum Zeitpunkt des dramatischen Schicksalsschlags erst 22 Jahre alt, entwickelte sich Matthias in Konstanz zu einem absoluten Leistungsträger und Führungsspieler, der mehrmals bester Konstanzer Torschütze wurde und das Konstanzer Handballteam über viele Jahre als außergewöhnlicher, charismatischer Kapitän anführte. In der aktuellen Saison musste er nach einem Anriss des Kreuzbandes wochenlang pausieren, in den letzten Wochen verhinderte ein Fingerbruch an der Wurfhand Einsätze in der 3. Liga. Nach acht erfolgreichen Jahren in Konstanz beendet der dienstälteste Drittligaspieler der HSG nach einem erfolgreich abgeschlossenen Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch und Mathematik sowie einem bald beendeten Studium der Wirtschaftswissenschaften und bevorstehendem Referendariat für den Beruf des Lehrers seine Handball-Laufbahn im Leistungssport. Mit seiner Freundin Elena möchte er jedoch nach Möglichkeit in Konstanz bleiben und ein- bis zweimal pro Woche bei der HSG mittrainieren.

 

Die Stimmen zum Karriereende von Matthias Faißt:

 

Otto Eblen, Präsident der HSG Konstanz:

„Wir konnten Matze fast über ein Drittel seines jungen Lebens begleiten und wir hoffen, er begleitet uns das nächste Drittel seines weiteren Lebens. Die HSG Konstanz hat Matthias Faißt viel zu verdanken. Wir wünschen ihm eine erfolgreiche Zukunft.“

 

Andre Melchert, Sportlicher Leiter der HSG Konstanz:

„Matze kam zu meiner aktiven Zeit als junger Spieler zu uns ins Team, hat sich sehr schnell integriert und sich perfekt in die Mannschaft eingebracht. Als dann nach und nach die älteren Spieler ihre Karrieren beendet haben, hat Matze sofort die Verantwortung übernommen und führt die Mannschaft bis heute perfekt. Ich bewundere sehr, wie er aus allem zuerst das Positive zieht. Ich freue mich sehr, in Zukunft mit Matze in einer anderen Position zusammenzuarbeiten.“

 

Daniel Eblen, Cheftrainer der HSG Konstanz:

„Wir sind durch viele Höhen und Tiefen gegangen, auch abseits des Spielfelds und ich kann sagen, dass auch Matze mich – vor allem als junger Trainer – positiv beeinflusst hat. Wir haben sehr viel miteinander gesprochen und waren nicht immer einer Meinung. Aber auch das war wichtig. Matze wird uns als Handballer und vor allem auch als Mensch fehlen. Ich würde mich freuen, wenn der Kontakt weiter bestehen bleibt und ich ihn vielleicht irgendwann in unserem Trainerteam begrüßen könnte.“

 

Simon Flockerzie, ehemaliger Kapitän der HSG Konstanz und derzeitiger Aushilfskapitän von Matthias Faißt:

„Ich habe Matze schon zu Zeiten kennengelernt, als er noch in Schutterwald gespielt hat. Meine Verbindung zu ihm war schon immer etwas Besonderes, da er wie meine Oma aus Alpirsbach kommt und ich daher schon früh viel über seinen und Sebis Werdegang informiert worden bin. Er hat mich damals davon überzeugt, nach Konstanz zu gehen. Dafür bin ich ihm immer noch sehr dankbar, denn nur so konnte ich noch einmal ein ganz anderes Umfeld kennenlernen. Ich habe, vor allem in Zeiten, die schwierig waren, sehr viel von ihm gelernt. Er gehört zu den Kapitänen, die es auf eine ganz besondere Art und Weise verstehen, die Gemeinschaft zu stärken – trotz des Leistungsdrucks, den wir immer hatten. Er hat Eigenschaften, die man nicht bei vielen Menschen findet. Ich persönlich bin sehr traurig, dass Matze aufhört, weil er immer ein tolles Vorbild für alle war und sicher einer der besten Shooter ist, mit denen ich zusammenspielen durfte.“

 

Christoph Babik, dienstältester HSG-Spieler:

„Matze ist ein herzensguter Mensch, der in jeder Situation immer ein Ohr für seine Mitmenschen hat. Er ist nicht nur beim Handball, sondern auch im Privaten eine starke Persönlichkeit und schafft es, wirklich jede Gruppe zu polarisieren. Was nach so langer gemeinsamer Zeit besonders in Erinnerung bleibt, ist der Schicksalsschlag, den er und seine Mutter mit dem Tod von Sebi erlebt haben. Natürlich könnte ich diverse Spiele, in denen Matze einmal mehr gezeigt hat, was in ihm steckt und was er für die Mannschaft und den Verein leisten kann, aufzählen. Das vielleicht Stärkste, was ich von ihm gesehen habe, war aber der Moment, als er auf der Beerdigung seines Bruders jeden Gast – es waren wirklich viele – persönlich begrüßt und umarmt hat. Diesen Anblick werde ich niemals vergessen. Dieser Moment zeigt deutlich, aus was für einem Holz Matze geschnitzt ist: ein Mensch der seine Gefühle zeigt, seinen Unmut äußert und sich immer um das Wohl seiner Mitmenschen kümmert. Eine verdammt starke Persönlichkeit eben. Es waren wundervolle Jahre mit Matze, sowohl handballerisch als auch privat.“

 

Sebastian Groh, seit 2011 bei der HSG Konstanz:

„Matze ist für mich der Grund gewesen, nach Konstanz zu wechseln. Er hat eine Wahnsinnsausstrahlung und reißt alle mit. Was Menschlichkeit, Verständnis und Einfühlungsvermögen angeht, ist Matze für mich ein absolutes Vorbild. Für ihn war nie wichtig, ob jemand eine tolle Leistung bringt, viel Geld hat oder sonst was: für ihn zählt der Mensch! Es sollte viel mehr von seiner Sorte geben. Er wird für mich immer ein wichtiger Mensch in meinem Leben sein.“

 

Marc Hafner, seit 2009 bei der HSG Konstanz:

„Er war der „Papa“ der Mannschaft. Er hat immer ein offenes Ohr für alles und kommt mit jedem gut aus. Für mich war er ein toller und treuer Handball-Kamerad. Nach sechs Jahren als Partner beim Einpassen erlebt man einiges zusammen, so wie eine Aufwärtsfahrt nach Leipzig im absoluten Schneechaos oder die ein oder andere kleine Party in seiner alten Wohnung. Unsere Freundschaft wird auch in Zukunft durch weitere Ausflüge mit dem Segelboot oder andere gemeinsam verbrachte Urlaubstage bestehen.“

 

Kai Mittendorf, Konstanzer Eigengewächs:

„Ich habe vier Jahre mit Matze zusammen gespielt und er ist spielerisch wie auch menschlich ein Vorbild für mich. Er hat mich in meinen ersten Spielen für die erste Mannschaft ganz besonders unterstützt und mich sozusagen an die Hand genommen. Er hatte immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für uns, egal ob auf oder neben dem Handballfeld. Ich habe sehr viel von ihm gelernt und wünsche ihm und seiner Freundin Elli für die Zukunft alles Gute.“

 

Felix Krüger, 20-jähriger Cousin von Matthias Faißt:

„Ich spiele zwar erst zwei Jahre zusammen mit Matze, kenne ihn aber schon seit meiner Geburt. Allerdings haben wir uns erst in diesen zwei Jahren hier in Konstanz richtig kennengelernt und festgestellt, dass wir gar nicht so verschieden sind. Matze ist für mich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich gesehen ein großes Vorbild. Ich wünsche ihm und Elli alles Gute für die Zukunft.“

 

Das große Südkurier-Interview mit Matthias Faißt:

 

Im SÜDKURIER-Interview spricht Kapitän Matthias Faißt über sein letztes Spiel im Dress der Drittliga-Handballer der HSG Konstanz am Samstag (9. Mai), 19 Uhr, gegen Kornwestheim

 

Herr Faißt, welche Art von Abschied erwarten Sie? Sind Sie nah am Wasser gebaut?

 

Ich habe die letzte Woche noch mal richtig genossen, im Training und mit der Mannschaft zu sein, diese Atmosphäre, die ich jahrelang fast jeden Tag erlebt habe. Es könnte aber schon sein, dass die eine oder andere Träne fließt. Mein Herz hängt eben an der HSG und allen Menschen, mit denen ich hier etwas aufgebaut habe. Ich bin mit dem Team und dem Umfeld schon sehr familiär verbunden. Der Abschied fällt definitiv sehr schwer. Ich hoffe aber, dass ich weiter hier sein kann. Meinen ersten Job oder das Referendariat hätte ich gerne hier in der Nähe.

 

Sie scheinen sich am Bodensee sehr wohl zu fühlen. War ein Tapetenwechsel zum Karriereende hin nie ein Thema?

 

Es war kein Thema, ob ich noch irgendwo anders hin gehe zum Handballspielen. Unser Präsident Otto Eblen, der Sportliche Leiter Andre Melchert und ich unterhalten uns schon über die Zukunft. Ich will jetzt aber erst mal Abstand gewinnen und raus aus der Verpflichtung kommen, immer trainieren und spielen zu müssen. Ich werde mich fit halten und regelmäßig im Training sehen lassen, wenn es zeitlich möglich ist, dann aber auf einer etwas freiwilligeren Basis.

 

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