HSG Konstanz verliert Handball-Fest gegen Frisch Auf Göppingen knapp, gewinnt aber zweite Hälfte

"Alles nur Menschen": Am Randes eines gelungenen Testspiel-Highlights zwischen Konstanz und Göppingen gab es nur lachende Gesichter.

 

Testspiel:

HSG Konstanz – Frisch Auf Göppingen 26:31 (11:18)

 

Das nennt man dann wohl ein gelungenes Handball-Fest mit strahlenden Gesichtern auf allen Seiten. Die Spieler und Fans der HSG Konstanz konnten sich über eine gute Leistung sowie eine gewonnene zweite Hälfte gegen den amtierenden EHF-Pokalsieger und eine über weite Strecken ausgeglichene Partie freuen, die letztlich 26:31 (11:18) für den Bundesligisten Frisch Auf endete, die Göppinger konnten ebenfalls zufrieden mit dem ersten Test der Vorbereitung sein und die kleinen Autogrammjäger kamen ihren Stars nicht nur ganz nahe, sondern sicherten sich auch noch die begehrten, bleibenden Erinnerungen in Form von Selfies und Unterschriften.

 

Dabei herrschte von Beginn an eine entspannte, freundschaftliche Atmosphäre in der mit knapp 600 Zuschauern gut gefüllten Schänzle-Sporthalle. Zur guten Stimmung trug auch noch eine beherzte, mutige Vorstellung des gastgebenden Zweitligisten bei, der von Beginn an wenig Respekt von den großen Namen in den Reihen des letztjährigen Bundesliga-Sechsten zeigte. Die Abwehr erstaunlich sicher gegen die Ausnahmekönner und routinierten Ex-Nationalspieler, zeigte Patrick Glatt gleich sein Können und ebnete der HSG den Weg zum ersten Ausrufezeichen: 2:1 durch einen Gegenstoß von Gregor Thomann. Der Rechtsaußen konnte nach der Partie gut gelaunt lachen: „Das war ein cooles Spiel und hat richtig Spaß gemacht. Und auch wenn man im Fernsehen immer denkt: oha, mega, was die machen, muss man sagen, dass das auch alles nur Menschen sind, die Fehler machen.“ Zwar wenige, aber tatsächlich waren es weiter die jungen Himmelsstürmer von Daniel Eblen, die mit ihrer frischen, frechen und begeisternden Spielweise den Applaus der Zuschauer bekamen – und weiter zum 6:5 vorlegten. Nach einer Viertelstunde war so noch kein Klassenunterschied erkennbar und auf den Anzeigetafeln prangte ein überraschender 8:8-Zwischenstand.

 

„Für uns war das eine tolle Sache und ich war echt überrascht, wie viele Leute heute gekommen sind“, freute sich HSG-Cheftrainer Daniel Eblen, „dazu haben wir ein gutes Spiel gemacht, abgesehen von acht Minuten vor der Halbzeit, in denen wir gefühlt fünf bis sechs Gegenstöße in Folge kassieren.“ Frisch Auf Göppingen – bis auf Jens Schöngarth und Marcel Schiller mit vollem Kader und bestem Aufgebot in Konstanz angetreten – zog in dieser Phase das Tempo mächtig an und demonstrierte seine außergewöhnliche Klasse, die gleich mehrfach mit spektakulären Toren gekrönt wurde. Vor allem der serbische Nationalspieler Zarko Sesum und der schwedische Auswahlakteuer Andreas Berg sorgten immer wieder für ein Raunen unter den begeisterten Besuchern. „Wie das nun einmal in Testspielen gegen unterklassige Gegner so ist, hat bei Göppingen etwas die kämpferische Komponente gefehlt“, gestand Eblen unumwunden ein, „aber was ein  Sesum und ein Berg gezeigt haben ist schon eine Augenweide. Das sieht alles so natürlich und flüssig aus.“

 

Der aktuelle Titelverteidiger und erneute EHF-Pokalteilnehmer machte nun Ernst und konterte die HSG mit einer massiven, körperlich starken Abwehr ein um das andere Mal aus, bis die Schwaben sich einen beruhigenden Acht-Tore-Vorsprung erarbeitet hatten (17:9). Nach der Pause und zahlreichen Wechseln auf beiden Seiten startete die HSG Konstanz allerdings eine Aufholjagd, die bald im 20:25 durch Spielmacher Tim Jud mündete. Szenenapplaus verdiente sich der 23-jährige HSG-Keeper Maximilian Wolf, der die verletzten Stefan Hanemann und Konstantin Poltrum zusammen mit Patrick Glatt hervorragend vertrat. 13 Paraden standen nach 30 Minuten Einsatzzeit in Hälfte zwei am Ende in den Statistiken des talentierten Schlussmanns aus der eigenen Jugend. Dafür bekam er ein Sonderlob des HSG-Coaches: „Max war heute sehr gut. Diese Bälle, selbst die aus dem Rückraum, muss man gegen diese Ausnahmekönner erst einmal halten.“

 

Göppingen wusste nun noch mit einem herrlichen Dreher von Andreas Berg zu begeistern, während Konstanz sogar bis auf 24:27 herankam. Mit einem tollen Pass von Fabian Schlaich in der Luft zu Fabian Maier-Hasselmann war der Underdog vom Bodensee plötzlich ganz nahe dran am Bundesliga-Spitzenteam. „Wir haben ganz gut mitgehalten und mitgespielt, weil Göppingen uns das zeitweise erlaubt hat. So war es eine gelungene Gesichte für uns und die Zuschauer.“ Nach dem 26:31-Endstand konnte der A-Lizenzinhaber zudem auf eine bislang gut verlaufene Rückrundenvorbereitung zurückblicken: „Für uns war wichtig, wieder Stabilität in die Abwehr zu bekommen. Das haben wir geschafft und auch im Angriff ganz ordentlich gespielt.“

 

Eine Einschätzung, die auch Kapitän Fabian Schlaich teilte: „Wie viel Aussagekraft dieses Spiel hat, sei einmal dahingestellt. Allerdings war es gut, uns wieder einmal in anderen Formationen einzuspielen und den Spielern, die in der Hinrunde nicht so oft zum Einsatz gekommen sind, wieder etwas Spielpraxis zu ermöglichen.“ Zum Schluss eines sehr freundschaftlichen Abends standen sie alle Arm in Arm für ein Erinnerungsfoto an dieses für die Gastgeber doch besondere Vorbereitungsspiel gegen den neunfachen deutschen Meister und fünffachen Europapokalsieger zusammen, die Menschen, die Handball spielen. Manche in der ersten, andere in der zweiten Liga.

 

>> Zur Bildergalerie

 

HSG Konstanz – Frisch Auf Göppingen 26:31 (11:18)

 

HSG Konstanz: Maximilian Wolf (13 Paraden), Patrick Glatt (7 Paraden) (Tor); Fabian Schlaich (4), Benjamin Schweda, Gregor Thomann (5/2), Mathias Riedel (2), Simon Flockerzie (2), Matthias Stocker (2), Michael Oehler (2), Paul Kaletsch (3), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann (2), Felix Gäßler, Tim Jud (2), Chris Berchtenbreiter (1).

 

Frisch Auf Göppingen: Primoz Prost, Bastian Rutschmann (Tor); Tim Kneule (2), Manuel Späth (1), Niclas Barud, Zarko Sesum (5), Daniel Fontaine (3), Lars Kaufmann (1), Andreas Berg (9), Adrian Pfahl (2), Marco Rentschler (6/3), Anton Halen (2)

 

Zuschauer: 550.

 

Schiedsrichter: Alfred Holl und Felix Lachnit