Cheftrainer Daniel Eblen im großen Interview: „Die dritte Liga wird stark wie nie sein“

Daniel Eblen ist seit Anfang 2004 Cheftrainer der HSG Konstanz. Vorher hat er bei der HSG sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und spielte schließlich mit der ersten Mannschaft in der 2. Bundesliga, bevor ihn eine schwere Knieverletzung zum endgültigen Rücktritt zwang. Anschließend begann er als Co-Trainer unter Adolf Frombach seine Trainerkarriere. Der 38-Jährige gebürtige Konstanzer ist frisch verheiratet und hat als Sohn von HSG-Präsident Otto Eblen einen Bruder und zwei Schwestern. Als Diplom-Kaufmann und gelernter Steuerfachangestellter arbeitet er in einer Steuerkanzlei. Im Gespräch mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas unterhielt sich der A-Lizenzinhaber über die Vorbereitung, die Ziele in der kommenden Saison sowie die Entwicklung der jungen Mannschaft und des Gesamtvereins.

 

Dani, wie geht es Dir nach der kurzen Sommerpause mit Hochzeit und Flitterwochen?

Wirklich gut, die drei Wochen Urlaub haben gut getan und ich konnte schon etwas abschalten und mich erholen. Allerdings wartet nach dem Urlaub auch gleich wieder viel liegengebliebene Arbeit…

 

Viel Arbeit war auch die letzte Saison und dort insbesondere die von vielen, teils schweren Verletzungen überschattete Rückrunde. Wie sieht dein Fazit mit ein paar Wochen Abstand aus?

Ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Solange wir auf den kompletten Kader zurückgreifen konnten, haben wir äußerst gut mithalten können. Gegen Ende der Saison wurde es jedoch wirklich schwierig. Wir mussten den Kader mit teils ganz jungen Spielern auffüllen, die auch in der zweiten Mannschaft noch nicht zu den Führungsspielern bzw. Leistungsträgern zählen, da die Zweite ihre Spieler für den Aufstieg in die Südbadenliga selbst benötigte. Das hat uns vor eine große Herausforderung gestellt und hat viel Energie und Nerven gekostet.

 

Du hast angekündigt in der neuen Saison noch mehr Zeit in die Aufgabe als Cheftrainer investieren zu wollen. Wie möchtest du die neu hinzugewonnene Zeit nutzen?

Nach meinem Diplom- und A-Lizenz-Abschluss habe ich nun vor allem mehr Planungssicherheit und werde versuchen, die freigewordene Zeit insbesondere für die Nachbereitung der Spiele zu nutzen. Ich werde nun alle Partien ganz genau analysieren, Spielszenen zusammenschneiden und meinen Spielern anhand der Videos einige Dinge aufzeigen.

 

Inwiefern profitierst du dabei auch von der Qualifizierung als A-Lizenzinhaber bzw. wie kannst du das neue Wissen bei der HSG Konstanz einbringen?

Gerade die Hospitation bei Dr. Rolf Brack in Balingen hat mich unheimlich weitergebracht. Die Gespräche mit hochqualifizierten Trainern helfen enorm weiter. Dabei habe ich einige neue Ideen für das Spielsystem erhalten und konnte neben dem erweiterten Wissen in Theorie und Praxis auch von der Erfahrung der Trainer profitieren. Die Organisation des Alltags oder der Umgang mit den Spielern sind dabei nur zwei Beispiele.

 

Die Vorbereitung neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Bist du mit ihrem Verlauf zufrieden?

Die Leistungen der Spieler stellen mich absolut zufrieden, auch das Spielsystem verinnerlichen sie immer mehr. Die Stimmung im Team ist hervorragend, man merkt allen den Willen zur Verbesserung und den Spaß an der Sache an. Wermutstropfen sind hingegen der Bänderriss von Simon Flockerzie, der uns damit wohl noch drei bis vier Wochen fehlen wird, und die anhaltenden Knieprobleme von Marc Hafner. Aber ansonsten sind alle Spieler fit, das ist das Wichtigste.

 

Mit Mathias Riedel, Paul Kaletsch, Fabian Schlaich, Max Folchert und Felix Krüger hat die HSG fünf Neuzugänge zu verzeichnen. Wie beurteilst du den Integrationsprozess der neuen jungen Spieler?

Wir haben insgesamt ein sehr junges Team, die meisten Spieler sind im selben Alter. Auch deshalb ist die Integration der neuen Spieler in das Team total unkompliziert, die harmonieren alle toll miteinander. Die Neuzugänge voll und ganz in das Spielsystem zu integrieren, wird jedoch noch etwas Zeit brauchen. Die werden wir ihnen auch geben und dann werden sie uns alle sehr weiterhelfen.

 

Nach dem Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Südbadenliga: Wie wird das Zusammenspiel zwischen erster und zweiter Mannschaft in der kommenden Saison aussehen?

Die jungen Spieler im Kader der ersten Mannschaft sollen nach Möglichkeit auch in der zweiten Mannschaft spielen und dort Verantwortung übernehmen. Trainieren werden sie in beiden Mannschaften, wobei der Wechsel zwischen den Teams aufgrund des fast gleichen Spielsystems nicht mit einer großen Umstellung verbunden sein wird. Und je nachdem, welche Ziele und Prioritäten der Verein ausgibt, werden die Spieler aus dem großen Pool aus A-Jugend, zweiter und erster Mannschaft dann aufgeteilt.

 

Worauf liegt nun dein Hauptaugenmerk im Trainingsalltag bis zum Saisonstart am Samstag in Friedberg?

Nach der Generalprobe mit dem Spiel gegen Gossau haben wir die Intensität etwas heruntergeschraubt, damit wir körperlich und mental topfit in die neue Saison starten können.

 

Durch die neue Staffeleinteilung werden so klangvolle Namen wie Coburg oder Bad Neustadt die Klingen mit der HSG Konstanz kreuzen. Ist die Staffel durch die vier neuen bayerischen Teams sowie den ambitionierten Aufsteiger aus Pforzheim nun noch stärker einzuschätzen?

Ich denke, die Liga wird vor allem an der Spitze noch stärker besetzt sein. Aber auch in der Breite wird die Liga durch die guten Aufsteiger an Qualität zunehmen. Obwohl vor Saisonbeginn eine Einschätzung immer schwer fällt, gehe ich davon aus, dass die dritte Liga 2013/2014 die stärkste dritte Liga wird, an der die HSG Konstanz jemals teilgenommen hat.

 

Gibt es an der Spitze schon einen Favoriten?

Das ist schwer vorherzusagen, aber allen voran natürlich den HSC Coburg und den HSC Bad Neustadt. Aber auch der TV Großsachsen hat sich hochkarätig verstärkt und wird wohl, wie einige andere Mannschaften auch, vorne mitmischen wollen.

 

Dann muss der Auftakt mit der Partie beim letztjährigen Champion Friedberg, gegen Vizemeister Heilbronn und in Coburg gleich als echtes Hammerprogramm eingestuft werden…

Das ist wirklich ein schweres Programm gleich zu Beginn der Saison. Natürlich wollen wir immer das Maximale herausholen, wir müssen aber auch einfach die Nerven behalten und dürfen uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, falls der Start nicht wie erhofft verläuft.

 

Woran musst du mit dem neuen Team noch arbeiten? Und wo hast du bereits eine Weiterentwicklung registriert?

In der Abwehr ist noch etwas Luft nach oben, nachdem uns Markus Schoch im Mittelblock fehlen wird. Zusammen mit Matthias Faißt und Kai Mittendorf war das in der letzten Saison eine wirklich starke Formation. Nun fehlt der neuen Formation – auch weil Matthias Faißt in der Vorbereitung immer wieder verletzungsbedingt in der Abwehr geschont werden musste – die aus der letzten Saison gewohnte Sicherheit. Positiv werden sich sicherlich die neuen Wechseloptionen bemerkbar machen, die es uns jetzt ermöglichen, das Tempo bis zum Schluss hoch zu halten. Im Rückraum werden wir zudem mehr Alternativen haben – aber bis alles wieder eingespielt ist, braucht es noch etwas Zeit. Die langfriste Entwicklung ist mir dabei besonders wichtig.

 

Was sind dann die Ziele für die neue Saison?

Wir wollen uns möglichst schnell in das gesicherte Mittelfeld absetzen, um mit unserem jungen Team in Ruhe weiterarbeiten zu können. Das Team, aber auch jeder Einzelne soll sich weiterentwickeln. Wir wollen weiter wichtige Erfahrungen sammeln und alle besser werden.

 

Nimmt man als sportlicher Leiter der ersten Mannschaft auch die Entwicklung des Gesamtvereins wahr?

Klar, gerade die tolle Entwicklung der zweiten Mannschaft und der A-Jugend- Bundesligamannschaft verfolge ich sehr intensiv. Ich schaue mir immer so viele Spiele an, wie nur irgend möglich. Außerdem sind die Spieler aus der Zweiten und der A-Jugend immer gern im Training der ersten Mannschaft gesehen. Das hebt einerseits das Niveau des Trainings und zusätzlich kann ich mir gleich einen noch besseren Eindruck über den Leistungsstand der Nachwuchsspieler verschaffen.

 

Hast du angesichts der guten Entwicklung des Vereins Visionen, Träume oder ein großes Ziel?

Ich beschäftige mich nur mit dem, was ich in der eigenen Hand habe. Also werde ich versuchen, alle nach vorne zu bringen und mich und das Team weiterzuentwickeln. Mein Ziel ist es, ein Team zu formen, das von den Zuschauern als sympathisch wahrgenommen wird. Die Fans sollen die Spieler als tolle Typen wahrnehmen können, die zugleich möglichst schönen, guten und erfolgreichen Handball spielen.

 

Wenn man so lange so viel Zeit für einen Sport und einen Verein aufbringt gehört viel Begeisterung dazu, oder?

Handball ist ein Sport mit viel Körperkontakt und Dynamik. Das hat mich von Anfang an interessiert. Jetzt, wo man auch noch langsam weiß, wie es richtig funktioniert macht es doppelten Spaß, seine Erfahrung und sein Wissen weiterzugeben (lacht). Junge willige Spieler zu fordern, fördern, zu verbessern und weiterzuentwickeln sowie etwas aufzubauen ist doch eine tolle Aufgabe. Zudem bin ich bei der HSG groß geworden, ich kenne hier jeden und jeder kennt mich. Was gibt es Schöneres, als wenn sich die Leute immer noch über „ihren Dani“ freuen, der damals in der Jugend mit seinem Bruder Tobias quasi in Windeln in der Halle unterwegs war und heute eben an der Seitenlinie Anweisungen gibt?

 

Fragen: Andreas Joas