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„War vor allem in der ersten Halbzeit viel zu wenig“: Erste Pleite gegen Wilhelmshaven

Felix-Krueger-HSG-Konstanz-WHV

2. Handball-Bundesliga:

Wilhelmshavener HV – HSG Konstanz 31:24 (17:8)

 

Das war nichts. Nach einer völlig verkorksten ersten Halbzeit musste sich die HSG Konstanz im vierten Duell mit dem Wilhelmshavener HV zum ersten Mal geschlagen geben und vergab die große Chance, sich bis auf zwei Punkte an die Niedersachsen heranzuschieben. Stattdessen ist der Vorsprung des WHV nach dem 31:24 (17:8)-Heimsieg auf die Konstanzer, wenn diese auch die zweite Halbzeit gewinnen konnten, auf fünf Zähler angewachsen. Nach der Länderspielpause empfängt die HSG am 14. April (20 Uhr) zum Derby den Erstliga-Absteiger HBW Balingen-Weilstetten in der Schänzlehölle.

 

Die Zuversicht vor dem wichtigen Spiel im hohen Norden war groß, die Unterstützung durch die weit gereisten Fans ebenso. Wie wichtig die Partie beiden Mannschaften war, offenbarten schon die ersten Minuten. Nervös, fehlerhaft, noch neben sich und vom Druck gelähmt wirkten die Protagonisten auf dem Spielfeld. Felix Klingler besorgte schließlich nach langen Minuten ohne Torerfolg beider Teams die 2:1-Führung für die Gäste. Es war die letzte für Konstanz. Denn während Wilhelmshaven sich langsam stabilisierte und zu einem normalen Spielfluss fand, wirkte Konstanz immer noch abwesend und wie in schwere Ketten gelegt.

 

Ein völlig gebrauchter Tag. Nichts wollte funktionieren, weder der Zugriff in der Deckung, noch irgendein Spielfluss und die Sicherheit im Offensivspiel. Stattdessen: Haarsträubende Fehler, dazu zahlreiche Fehlwürfe, selbst aus besten Positionen. Dennis Doden, der dadurch heißgelaufene Keeper der Hausherren, durfte sich in den ersten 30 Minuten zwölf Paraden und 60 Prozent gehaltene Würfe in sein Arbeitsbuch notieren. Dazu drei entschärfte Siebenmeter. Ausdruck des Sahnetages des großgewachsenen Schlussmanns, aber auch deutliches Zeichen dafür, dass Konstanz in längst vergessene Zeiten zurückfiel und die mit Abstand schlechteste Halbzeit in der Rückrunde ablieferte. Nichts mehr zu sehen von der Spielfreude und Variabilität der letzten Wochen. „Wir haben kaum einen  Zugriff in der Abwehr gefunden“, gestand HSG-Trainer Daniel Eblen. „Wenn dann dazukommt, dass man vorne auch noch viele leichte Bälle verwirft – gerade aus der Nahwurfzone oder vom Kreis – kommt so ein Ergebnis zustande.“

 

Nach zwölf Minuten sah sich Eblen bereits gezwungen, die zweite Auszeit zu nehmen. Zwischenstand zu diesem Zeitpunkt: 7:3. Beim WHV funktionierte nun alles, die die Unzulänglichkeiten in der Konstanzer Offensive mit schnellem Konterspiel gnadenlos ausnutzen und so zu vielen einfachen Toren kamen. Grundlage dafür war eine aggressive, sehr früh attackierende Deckung (15:7/ 22.). Und wie so oft, wenn es nicht läuft, kommt auch noch Pech dazu: Konstantin Poltrum angelte sich ebenfalls einen Strafwurf, den Abpraller versenkte jedoch Rechtsaußen Vorontsov. Kurz darauf scheiterte Fabian Schlaich am Pfosten und im direkten Gegenzug trudelte ein Kullerball nach Parade von Poltrum doch noch zum 16:8 hinter ihm über die Linie.

 

Wieder mochte der Ausdruck des gebrauchten Tages nicht aus den Gedanken verschwinden. Die eigenen Stärken bislang wie weggeblasen, alle Anstrengungen und Umstellungen bislang erfolglos, wirkten die Gelb-Blauen vom Bodensee  nach dem Seitenwechsel endlich deutlich wacher und präsenter. Eblen: „Es war klar, dass es mit der Hypothek in der zweiten Hälfte schwer werden würde, noch etwas zu holen.“ Doch der 43-Jährige holte die Erinnerungen an das erste Spiel an der Küste hervor, als es trotz Zehn-Tore-Führung am Ende noch einmal knapp geworden war. Tim Jud als vorgezogenen Spitze in der 5:1-Abwehr, Mathias Riedel im linken und Paul Kaletsch wieder einmal im rechten Rückraum sorgten für eine spürbare Belebung und eine nun neu gestartete, offene Partie. Doch immer, wenn sich die Chance auf mehr bot, etwa nach dem 13:20 oder 18:25 (49.), scheiterte die HSG am Gebälk oder agierte unglücklich, kassierte eine Zeitstrafe oder vergab freistehend in Unterzahl. „Wir haben zu schnell versucht, alles aufzuholen“, meinte der HSG-Coach. „Wir waren dann zu hektisch und einfach nicht gut genug an diesem Tag gegen einen starken WHV.“ Erst ganz am Ende konnte der Rückstand auf sechs Tore verringert werden, mehr als eine Ergebnisverbesserung und eine für sich entschiedene zweite Halbzeit waren jedoch nicht mehr drin. „Für mehr hätte nach der Pause alles passen müssen“, so Eblen.

 

Positiv waren indes der Kampfgeist und die 180-Grad-Wende nach der Pause. Aber vor allem die unermüdliche, lautstarke Unterstützung der eigenen Anhänger. Dafür bedankten sich die Spieler der HSG mit langem Applaus für ihre Fans. Fassungslos, mit leeren, entschuldigenden Blicken. Nach der Länderspielpause kommt es in der Schänzlehölle am 14. April, 20 Uhr, zum Derby gegen den letztjährigen Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten. Dann sicher wieder mit einer anderen HSG und riesengroßem Rückhalt von den Tribünen. Daniel Eblen ist die Vorfreude schon anzumerken: Für uns ist es ein Privileg, gegen die erste Balinger Mannschaft um Punkte spielen zu dürfen. Darauf und auf die tolle Atmosphäre dabei freuen wir uns alle.“ Vorher sind nun ein paar Tage trainingsfrei, „um die Niederlage aus den Köpfen zu bekommen.“

 

Wilhelmshavener HV – HSG Konstanz 31:24 (17:8)

 

Wilhelmshavener HV: Lüpke, Doden (Tor); Schwolow (6), Smits (3), Vorontsov (4/1), Kozul (2), Andrejew, Maas, Postel (6), Köhler, Ten Velde (10), Lehmann, Wolterink, Kalafut, Schweigart, Drechsler.

Trainer: Christian Köhrmann

 

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Konstantin Poltrum (Tor); Fabian Schlaich (4/1), Mathias Riedel (2), Tom Wolf (2/1), Michael Oehler, Paul Kaletsch (2), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann (3), Felix Gäßler, Tim Jud (5), Samuel Wendel, Chris Berchtenbreiter (4), Maximilian Schwarz, Felix Klingler (1).

Trainer: Daniel Eblen

 

Zuschauer: 1128 in der Nordfrost-Arena Wilhelmshaven.

 

Schiedsrichter: Steven Heine und Sascha Standke.

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