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„Jetzt polieren wir die Rüstung, richten unsere Helme und dann geht es vorwärts“: HSG muss in 2. Runde der Relegation

HSG-Konstanz-Choreo Gänsehaut-Stimmung im mit 1800 Fans ausverkauften Tollhaus Schänzle-Hölle mit gelb-blauem Fahnenmeer.

Aufstiegsrelegation zur 2. Handball-Bundesliga:

HSG Konstanz – ThSV Eisenach 26:29 (14:15)

 

Der ThSV Eisenach ist nach nur einem Jahr völlig verdient direkt wieder zurück in der 2. Handball-Bundesliga. Die HSG Konstanz muss nach der 26:29 (14:15)-Niederlage im Rückspiel der Aufstiegsrelegation hingegen in die zweite Runde und kann am Sonntag, 26. Mai um 16.30 Uhr in der Rostocker Stadthalle und am Samstag, 1. Juni, 20 Uhr, im finalen Endspiel daheim am Schänzle dennoch ebenso nach nur einem Jahr 3. Liga wieder in die „stärkste zweite Liga der Welt“ zurückkehren. Im mit 1800 Zuschauern ausverkauften Tollhaus Schänzle-Hölle konnten die Thüringer trotz frenetischer Unterstützung von den Rängen und der „Gelben Wand“ auch das zweite Duell nach dem 30:25-Hinspielsieg für sich entscheiden.

 

Wie wichtig dieser Aufstieg für die Gäste war, zeigte sich direkt nach dem Schlusspfiff. Die unterschiedlichsten Emotionen mischten sich in der blau-weißen Jubeltraube, die mitgereisten ThSV-Anänger hielt es nicht mehr auf der Tribüne und es stieg direkt nach dem Schlusspfiff eine wilde Aufstiegsparty. Bier- und Sektduschen inklusive. Nur wenige Meter weiter das Kontrastprogramm an Emotionen. Leere Blicke, gesenkte Köpfe, fehlende Worte und Kraft. Danieder waren sie gesunken, die Gelb-Blauen, die so famos von ihrem eigenen Publikum angetrieben worden waren. Ein Hexenkessel sollte es werden – und die Schänzle-Hölle war schon vor dem Anpfiff ein gelb-blaues Fahnenmeer. Eine beeindruckende Choreografie des HSG-Fanclubs und eine atemberaubende Stimmung durch die frenetisch mitgehenden HSG-Fans sorgten überall für Gänsehaut. Obwohl noch kein Pass gespielt worden war, übertrumpfte die Atmosphäre und Lautstärke noch einmal das, was im Hinspiel schon so grandios gewesen war. Ein Handball-Fest von beiden Fanlagern. Mit einem bitteren Ende für die Konstanzer.

 

Obwohl alles nach Plan, wie gemalt begonnen hatte. Als Simon Tölke sofort zur Stelle war – und die komplette Tribüne direkt geschlossen stand. Als Tim Jud zum 1:0 traf und die Halle zum Kochen brachte. Und als Joschua Braun mit dem 2:0 nach nicht einmal zwei Minuten endgültig für ein größeres Erdbeben in der Schänzle-Hölle gesorgt hatte. Nach einer weiteren Balleroberung wollte Tim Jud Samuel Wendel auf Linksaußen auf die Reise in den Gegenstoß schicken – alleine der Pass war ein paar Zentimeter zu hoch und damit unerreichbar angesetzt. Es hätte das 3:0 nach zweieinhalb Minuten sein können und die HSG wäre zu diesem Zeitpunkt bis auf zwei Tore an ihrem Ziel Aufholjagd und 2. Bundesliga dran gewesen.

 

Nach dem 4:2 durch Jud wird der erfahrene Gästetrainer Sead Hasanefendic froh gewesen sein, dass sich seine Mannschaft nun langsam besser zurechtfand und sich mit aller Erfahrung und Ruhe auch von der unbeschreiblichen Lautstärke in der Halle nicht beeindrucken ließ. Stattdessen bekamen die Thüringer die Partie immer besser unter Kontrolle und führten durch den immer wieder toll eingesetzten und selbst bärenstarken Kreisläufer Justin Mürköster nach einer Viertelstunde erstmals mit 7:6, noch vor der Pause sogar kurzzeitig mit drei Treffern. Konstanz verkürzte noch vor dem Seitenwechsel auf 14:15. Die Hoffnung lebte also weiter. Aber sie wurde von Minute zu Minute kleiner.

 

Das lag an einem erneut überaus kaltschnäuzigen und effektiven Auftritt der Gäste, aber auch der hohen Anzahl an technischen Fehlern und frei vergeben Möglichkeiten der Gelb-Blauen mit etlichen Pfosten- und Lattentreffern. „Wir haben gesehen“, gestand Daniel Eblen zerknirscht, „dass uns zu Teams wie Eisenach noch etwas fehlt. Sie waren die bessere Mannschaft und steigen verdient auf. Bei aller Enttäuschung muss man das einfach akzeptieren“ Kleine Dinge hatte der Cheftrainer der Konstanzer dafür als Gründe ausgemacht, die allerdings eine wichtige Rolle bei der Entscheidung spielten. „Wie unaufgeregt Eisenach in wichtigen Situationen, wie kaltschnäuzig sie waren, die Geduld bis zum Ende des Zeitspiels durchzuspielen“, so Eblen, „das war der Unterschied.“ Sechs Tore seien aus solchen Situationen in den beiden Spielen für die Gäste gefallen. „Wir werfen den Ball nach zwei Pässen halbherzig am Tor vorbei“, war er enttäuscht. „Das hat große Auswirkungen.“ Zumal, so Eblen, gegen einen Gegner, der „über einen unglaublichen Erfahrungsschatz und von Spielern über Trainer aus absoluten Könnern besteht.“

 

Konstanz hingegen spielte nie „am Optimum“ wie Kapitän Tom Wolf formulierte. So war die Aufholjagd nach der Pause auch kein Thema mehr. Stattdessen zog Eisenach auf vier Tore davon und konnte sich schon früh auf die rauschende Aufstiegsfeier einstellen. Die HSG hatte immer wieder die Möglichkeit, noch näher als auf drei Tore  heranzukommen, doch die Fehleranzahl und die Chancenverwertung – auch mit vielen schweren Abschlusspositionen von Eisenach erzwungen – ließen nicht mehr zu. Die erste Heimniederlage seit September 2018 nahm da längst Gestalt an – obwohl die HSG-Fans ihr junges Team auch bei sehr hohem Gesamt-Rückstand in der letzten Viertelstunde noch einmal bei zahlreichen Angriffen im Stehen anfeuerten und alles gaben. „Die Hoffnung ist nicht tot“, sagte Eblen, „es geht weiter, mit zwei extrem wichtigen Spielen.“

 

Nach einem sonnigen Sommertag öffneten sich schließlich die Schleusen und der Himmel über Konstanz weinte fast die gesamte Nacht. Es donnerte, es blitzte und es regnete in Strömen, während in der Halle Fans, Spieler und Verantwortliche mit bleiernem Gang über das Spielfeld schritten und dabei kaum vorwärts kamen, auf dem klebrigen, mit Sekt, Bier, Schweiß und Konfetti getränkten Boden. „Glückwunsch an Eisenach, in zwei Spielen absolut verdient“, gratulierte Paul Kaletsch trotz tief sitzender Enttäuschung. Denn: „Auch wenn du eine zweite Chance hast, tut das im Moment weh.“ Aber, ganz der Kämpfer, der der Drittliga-Torschützenkönig ist, richtete der Shooter seinen Blick bereits auf die nun folgenden Endspiele gegen Rostock mit dem finalen Endspiel am 1. Juni, 20 Uhr, vor dem eigenen Publikum. Er wolle nicht alles in die Tonne treten, aber „das Hinspiel war scheiße und das Rückspiel auch. Jetzt polieren wir die Rüstung, richten unsere Helme und dann geht es vorwärts, mit hoffentlich endlich einmal einer Schlacht.“ Im Hinblick auf die Gänsehaut-Atmosphäre schloss er mit den Worten: „Am 1. Juni explodiert die Halle am besten noch einmal. Ich freue mich auf die zwei Spiele, in denen wir unser Ziel erreichen wollen. Ich möchte mich bei den Fans bedanken. Aber auch ihr habt noch keine Sommerpause, wir brauchen euch noch zweimal.“

 

HSG Konstanz: Maximilian Wolf (1 Parade), Simon Tölke (4 Paraden) (Tor); Michel Stotz, Fabian Schlaich (2), Matthias Hild, Tom Wolf (2), Fabian Wiederstein (4), Paul Kaletsch (7/3), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann, Joschua Braun (4), Tim Jud (3), Tim Keupp (1), Samuel Wendel (2), Patrick Volz, Samuel Löffler.

 

Zuschauer: 1800 in der Schänzle-Sporthalle Konstanz (ausverkauft).

 

Schiedsrichter: Julian Köppl und Denis Regner.

 

 

 

 

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