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Max Folchert, neue Nummer eins der HSG: „Verantwortung ist zusätzlicher Ansporn“

Max Folchert, neue Nummer eins der HSG: „Verantwortung ist zusätzlicher Ansporn“

Maximilian Folchert, 20-jähriger Torhüter, hat sich auch dank einer starken Rückrunde in der vergangenen Saison das Vertrauen der Verantwortlichen der HSG Konstanz erspielt. Nach dem Abgang von Patrick Glatt geht er als unumstrittene Nummer eins in die Saison 2014/15.

 

Der vergangenen Sommer vom Zweitligisten VfL Bad Schwartau nach Konstanz gekommene 1,95 Meter große angehende Bankkaufmann zählt die deutsche Meisterschaft mit dem Handballverband Schleswig-Holstein, sowie die Berufung in das DHB-Allstarteam, als auch seinen ersten Profivertrag mit 17 Jahren zu seinen bisherigen größten Erfolgen. Zuvor, als 16-Jähriger, hatte der talentierte Nachwuchsschlussmann schon Angebote der Erstligisten aus Magdeburg und Flensburg, wollte sich aber noch nicht aus dem gewohnten Umfeld in ein weitab der geliebten Heimat liegendes Handballjugendinternat verabschieden. Letzte Saison, mit nunmehr 19 Jahren, war Max Folchert bereit, suchte das Abenteuer und fand die gewünschte Herausforderung und Perspektive bei der HSG Konstanz ganz im Süden der Republik.

 

Erste Ziele mit der Etablierung in der 3. Liga, vielen Spielzeiten und auf absehbare Zeit die Nummer eins zu werden, hat er sich bereits erfüllt. Mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas unterhielt er sich über die damit einhergehende Verantwortung und den Druck in der 3. Liga sowie seine zukünftigen Ziele – und seine bisweilen umstrittenen Fähigkeiten als Fußballer.Max Folchert in Aktion

Max, mit etwas Abstand: Wie sieht Dein Fazit zur letzten Saison aus? Gerade die Rückrunde ist bei Dir persönlich wohl genauso verlaufen, wie Du es Dir vorgestellt hast…

 

In der Tat, das war so, wie ich es mir gewünscht habe. Es war klar, dass ich nicht knapp 1.000 Kilometer von Zuhause wegziehe, um mich mit der Rolle auf der Auswechselbank zufrieden zu geben. Ich wollte vielmehr zeigen, was ich kann, wollte mir viele Spielzeiten erkämpfen und auch auf absehbare Zeit die Nummer eins werden. Dabei war mir bewusst, dass ich mich in einer neuen Umgebung, in einem neuen Team erst einmal an alles gewöhnen muss und auch die Abstimmung mit der Abwehr Zeit brauchen würde. Ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen, bis es in der Rückrunde immer besser lief, was mich sehr freut.

 

Hast Du eine Erklärung dafür, warum es dann auf einmal so gut klappte und Du mit 20 zu einem absoluten Leistungsträger avanciert bist?

 

Ich bin immer dran geblieben, war stets ehrgeizig und habe nie den Glauben verloren. Ich konnte mich da auch auf meine gute Ausbildung bei meinen Jugendvereinen verlassen. Ich wusste, dass ich das nötige Niveau besitze und habe vor Beginn der Rückrunde das Vertrauen der Verantwortlichen ganz besonders gespürt. Man hat zwar eine Abwehr vor sich – und bei der HSG auch eine traditionell sehr gute – aber man steht letztlich eben doch alleine im Tor. Da ist die Rückendeckung von außerhalb umso wichtiger.

 

Konntest Du in der kurzen Sommerpause ein bisschen abschalten und Abstand zum Handball gewinnen – obwohl Du nicht wie die vielen Studenten im Team die vorlesungsfreie Zeit genießen konntest?

 

Ich musste zwar arbeiten und konnte mir nicht so viel Urlaub nehmen. Ich war aber dennoch eine knappe Woche in Tunesien und habe erst einmal an gar nichts mehr hier zu Hause gedacht. Anschließend habe ich die Abende ohne Handball auch mal genossen, um ohne Stress in das Fitnessstudio zu gehen und meine Mutter zu besuchen, die geheiratet hat. Aber alleine schon die Abende hier am Bodensee sind pure Erholung und wie Urlaub für mich.

 

Ist dann die Vorfreude auf die neue Saison auch schon wieder da? Auf was freust Du Dich besonders?

 

Jetzt als Nummer eins in die neue Saison zu gehen, ist absolute Motivation. Ich kann es ehrlich gesagt kaum mehr erwarten, bis es losgeht. Die Topspiele, wo wir als Underdog ins Spiel gehen, wo man dem Gegner auf maximalem Niveau begegnet: das sind die besonderen Spiele, bei denen man alles aus sich herauskitzelt.

 

Du gehst mit 20 Jahren als klare Nummer eins in die Saison und wirst von noch jüngeren Nachwuchskeepern auf Position zwei unterstützt. Ändern diese Umstände etwas für Dich?

 

Es ist das eingetreten, was ich mir erhofft habe. Von Beginn an zu spielen, ist immer das Beste. Ich habe richtig Lust darauf, dem Team mit starken Leistungen weiterzuhelfen. Ich möchte auch noch eine Schippe drauflegen, denn ich glaube nicht, dass die Entwicklung der Mannschaft und meine eigene schon abgeschlossen sind. Ich möchte das Ding mit den Jungs richtig rocken.

 

Gleichzeitig bedeutet die neue Situation aber auch viel zusätzliches Vertrauen, das in Dich gesetzt wird. Das bringt auch große Verantwortung mit sich. Spürst Du Druck oder ist das einfach nur zusätzlicher Ansporn?

 

Genau das: zusätzlicher Ansporn! Mich pusht das Vertrauen enorm. Wer sich die Historie und die Zahl der Gegentore für die HSG Konstanz ansieht, wird feststellen, dass die Abwehr so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt des Teams ist. Ich werde die Herausforderung annehmen und habe richtig Lust darauf, meinen Teil zur Fortsetzung dieser Serie beizutragen.

 

Hast Du Dir auch schon Ziele für die neue Saison gesetzt?

 

Ich möchte mich weiter Schritt für Schritt steigern und eine konstante Saison spielen, die Zuschauer wieder begeistern und mit dem Team an letzte Saison anknüpfen. Wir müssen die ersten fünf Spiele abwarten, wie wir in die Saison kommen – mit unglücklichen Niederlagen oder gleich mit einigen Siegen…

 

Auf welchem Stand befindet Ihr Euch auf dem Weg zum Ziel: Wie läuft die Vorbereitung aus Deiner Sicht?

 

Die konditionellen Grundlagen sind geschaffen, jetzt geht es darum, sich weiter einzuspielen. Das Spiel gegen eine starke Coburger Mannschaft (23:26, d. Red.), die zuvor gegen Erstligisten gut aussah und sogar einen davon schlagen konnte, war schon richtig gut, wir haben uns super präsentiert. Ich denke, wir sind auf einem richtig guten Weg. Die verbleibenden zwei Wochen werden wir aber nutzen, um uns weiter zu verbessern, Dinge einzustudieren und zu optimieren. Das wird auch nötig sein, denn Pforzheim wird zum Auftakt in die neue Drittliga-Saison ein ganz schwerer Brocken. Die Abwehr steht aber schon sehr gut – das ist erfreulich und macht mich sehr zuversichtlich.Kein Durchkommen gegen Max Folchert...

Du hast eine Schwäche für Käsefondue und Käsespätzle. Das passt hervorragend, denn die Schweiz ist nur einen Katzensprung entfernt und Käsespätze gibt es im Alemannischen auch überall. Macht es Dir das leicht, Dich trotz der großen Entfernung zur Heimat mittlerweile heimisch in Konstanz zu fühlen?

 

Zunächst einmal ist der See hier fantastisch. Schade nur, dass ich ihn bisher viel zu selten richtig genießen konnte. Ich fühle mich hier richtig heimisch und dass es hier meine Leibspeisen überall gibt, macht es umso besser – obwohl ich nicht wie viele andere Spieler am Wochenende mal kurz nach Hause fahren kann. Aber man muss sich als einziges Nordlicht im Team auch gegen die ganzen „Südländer“ im Team behaupten und den einen oder anderen Tipp für korrekte Aussprache in der deutschen Sprache geben. Gerade unser neuer Schwabe im Team, Matthias Stocker, braucht da ganz besondere Nachhilfe – aber dafür bin ich ja da. (lacht)

 

Du bist auch Fußballwart im Team. Nun gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob Du ein begnadeter oder weniger begnadeter Fußballer bist. Wie siehst Du die ganze Sache?

 

Ich selbst würde mich als Cristiano Ronaldo der HSG beschreiben, der sich schon einen Namen auf Linksaußen gemacht hat, auch wenn unser Zlatan Ibrahimovic Paul Kaletsch meint, er wäre der „Super-Hero“. (grinst) Solange wir aber beide bei Team Jung spielen, passt das schon… Nein, im Ernst: Ich denke, ich bin ein guter, wenn auch kein überragender Fußballer. Es macht einfach Spaß und es entgeht mir auch kaum ein Handball- und Fußball-Artikel. Insofern bestimmen beide Sportarten ganz entscheidend meine Freizeit, wobei Handball mit der Mittelpunkt meines Lebens ist. Entweder ich bin bei der Arbeit oder in der Halle. Ich habe mit fünf Jahren angefangen und bei meinem Umzug nach Konstanz deswegen sogar meine Ausbildungsstelle gewechselt. Diese neuen Erfahrungen sind für mich als Torwart aber ganz wichtig, auch um richtig selbstständig zu werden und meine Persönlichkeit weiterentwickeln zu können. Darum wollte ich diese Herausforderung auch unbedingt.

 

Man merkt, Du bist immer Optimist – Dein Lebensmotto „Wenn das Leben nur Zitronen gibt, mach‘ Limonade drauß“ spricht für sich.

 

Ja, stimmt. Ich bin durch und durch Optimist und finde in jeder Situation immer das Gute. Durch jeden Fehler, durch alles, was schief läuft, öffnen sich neue Türen. Es hat alles seinen Sinn und auch etwas Gutes. Man darf nie aufstecken, muss immer weitermachen und sein Bestes geben. Ich gebe die Hoffnung da nie auf.

 

Was ist Deiner Meinung nach das Besondere an der HSG Konstanz?

 

Das Bodenseeflair! Man hat das Gefühl, dass es mit in die Halle transportiert wird. Diese Begeisterung in der Halle ist schon besonders. Zudem ist der Trainingsausklang nach einer anstrengenden Einheit hier einfach nicht zu toppen. Man springt einfach in den direkt vor der Halle vorbeifließenden Seerhein. Das gibt es kaum woanders.

 

Letzte Frage: Wie bist Du eigentlich ins Tor gekommen? Eine positive Verrücktheit gehört sicherlich dazu, sich in ein Handball-Tor zu stellen. Es ist nicht jedermanns Sache. Selbst bei den meisten Torhütern ist das ja eine mehr oder weniger lange Odyssee, bis sie auf dieser Position endgültig ankommen…

 

Das stimmt, so war es auch bei mir. Anfangs war ich auch in der Offensive ganz erfolgreich. Es war nur ärgerlich, dass wir sehr oft mit einem Tor Unterschied verloren haben. Da habe ich Gegenmaßnahmen ergriffen und habe mich selbst im Tor versucht. (lacht) Als es ganz gut geklappt hat, bin ich fortan auch dabei geblieben. Vor allem die persönlichen Duelle mit nahezu jedem gegnerischen Spieler hat man fast nur auf dieser Position.

 

Fragen: Andreas Joas

 

 

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