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„Überrascht mich nicht, wo wir stehen“: Spielmacher Tim Jud vor Schlagerspiel im Interview

„Überrascht mich nicht, wo wir stehen“: Spielmacher Tim Jud vor Schlagerspiel im Interview

Am Samstag um 20 Uhr steht der HSG Konstanz das erste ganz große Highlight dieser Saison bevor. In der Konstanzer „Schänzle-Hölle“ kommt es zum absoluten Schlagerspiel zwischen der drittplatzierten HSG Konstanz und dem Zweiten Oppenweiler/Backnang. Und als ob das nicht schon für genügend Pfeffer sorgen würde: Der Sieger dieser Nachholpartie übernimmt, weil die anderen Spitzenmannschaften bereits ein Spiel mehr absolviert haben und nun spielfrei sind, die Tabellenführung! Mehr Spitzenspiel, mehr Topspiel geht nicht!

 

Die Vorfreude bei Spielern beider Vereine ist riesengroß, denn alles deutet auf einen weiteren ganz besonderen Handball-Abend am Schänzle hin – mit richtig voller, lauter und stimmungsvoller „Schänzle-Hölle“.

 

HSG-Pressesprecher Andreas Joas unterhielt sich dazu mit dem Schweizer U21-Nationalspieler Tim Jud, der seit dieser Saison zusammen mit Matthias Stocker auf der Mittelposition das Spiel mit viel Ruhe und Übersicht lenkt – und das sehr erfolgreich und von Spiel zu Spiel besser. In Balingen war es der 20-jährige Student der Wirtschaftswissenschaft, der zusammen mit Mathias Riedel in einer umkämpften Schlussphase die Akzente setzte und sowohl mit genialen Anspielen, als auch drei wichtigen Toren die Entscheidung zu Gunsten seines Teams herbeiführte.

 

Der 1,83 Meter große Spielgestalter kommt aus einer handballverrückten Familie. Sein Bruder Kevin spielt bei Pfadi Winterthur und für die Schweizer A-Nationalmannschaft, während sein Vater Markus lange Jahre Lakers Stäfa trainiert, in die Schweizer Eliteklasse geführt und dort etabliert hat und nun Cheftrainer beim HSC Suhr Aarau ist. Seine Mutter Ruth war ebenfalls Nationalspielerin und ist seit Jahren Trainerin der Frauenmannschaft des TV Uster in der höchsten oder aktuell zweithöchsten Liga der Schweiz.

 

Obwohl vornehmlich für Vorlagen verantwortlich, überzeugte der in Uster unweit des Zürichsees geborene, technisch versierte Handballer in 61 Partien für die eidgenössische Jugend-bzw. Junioren-Nationalmannschaft, unter anderem bei der U18- und U20-Europameisterschaft, mit 73 Toren auch als Torschütze und war in der vergangenen Spielzeit mit ebenfalls 73 Treffern für die Lakers Stäfa der drittbeste Nachwuchsspieler unter 21 Jahren der Nationalliga A. Im Interview spricht Tim Jud über die aktuelle Stärke der jungen HSG-Mannschaft, Unterschiede zwischen deutschem und Schweizer Handball, Vorbilder sowie seine persönliche Entwicklung in völlig neuer Umgebung und blickt sehr optimistisch auf das Topspiel der 3. Liga zwischen Konstanz und Oppenweiler/Backnang voraus.

 

Tabellenplatz drei, sensationelle 12:4 Punkte auf dem Konto und mitreißender Tempohandball. Tim, hast du angesichts des geringen Durchschnittsalters der Mannschaft von nur 21,8 Jahren und des größeren Umbruchs mit dem Karriereende von einigen langjährigen Leistungsträgern nach der letzten Spielzeit gleich mit einem so guten Saisonstart gerechnet?

 

Dass wir nach den ersten acht Spielen dort stehen, wo wir sind, überrascht mich nicht besonders. Mir war klar, dass es für uns sicherlich kein Selbstläufer wird, da vor allem die Spieler, welche bereits bei der HSG waren, wussten, was sie durch die Abgänge zu kompensieren haben. Ich finde jedoch, jeder ist an dieser Aufgabe gewachsen und hat bewiesen, dass wir als junges Team vorne mitspielen können und dies auch wollen.

 

Was sind die Gründe für den guten Saisonauftakt und was macht euch so stark, was zeichnet diese junge, ehrgeizige Mannschaft der HSG Konstanz aus?

 

Die immer besser agierende Abwehr und die daraus resultierenden Konter sind sicher zwei Schlüsselpunkte. Die schnellen, einfachen Tore ersparen nicht nur Kraft im Angriff, sondern bringen gerade auch im mentalen Bereich einen kleinen Vorsprung gegenüber dem Gegner. Dies ist im Moment auch das, was uns so stark macht. Dazu kommt, dass wir einen breiten Kader haben, durch welchen wir unseren Tempohandball weiter vorantreiben können.

 

Zuletzt hat vor allem die Defensive inklusive Torwart Konstantin Poltrum ein grandioses Spiel beim 20:19-Sieg in Pforzheim abgeliefert. Ist dieser Sieg bei einem Meisterschaftsfavoriten, der zuletzt 8:2 Punkte verbuchen konnte, besonders wertvoll?

 

Ja, das ist er! Die zwei Punkte sind das eine, aber der mentale Aspekt ist meiner Meinung nach für die kommenden Spiele genauso wertvoll. Wir haben gezeigt, dass wir auch gegen eine solche Mannschaft mithalten können und in der entscheidenden Phase das Spiel zu unseren Gunsten nach Hause fahren können. Nun müssen wir aber an diese Leistung anknüpfen und uns weiterhin steigern, damit wir auch für die kommenden Aufgaben gerüstet sind.

 

Dieser Erfolg hat euch außerdem ein absolutes Schlagerspiel am Samstag um 20 Uhr in der „Schänzle-Hölle“ gegen Oppenweiler/Backnang beschert. Der Dritte empfängt den Zweiten ist eigentlich schon Topspiel genug, doch dem Sieger dieses Duells winkt außerdem die Tabellenführung. Sind dies die Highlights, die das Salz in der Suppe ausmachen und für die man täglich trainiert?

 

Solche Partien liebt man als Spieler. Das man solch ein Duell schon relativ früh in der Saison bestreiten kann, ist umso schöner. Mit dem Ziel Tabellenführung und einer hoffentlich vollen „Schänzle-Hölle“ freut man sich umso mehr auf dieses Spiel und will den Aufwärtstrend weiterhin bestätigen.

 

Auf was wird es deiner Meinung nach gegen einen euphorischen Aufsteiger ankommen, damit ihr es seid, die sich am Samstagabend Spitzenreiter nennen können und auf was muss man in diesem Spitzenspiel besonders aufpassen?

 

Unsere Abwehr wird einen wichtigen Grundstein für unseren Erfolg darstellen müssen. Wenn wir die Härte aus dem Pforzheim-Spiel mitnehmen und ab der ersten Minute Druck auf Oppenweiler ausüben, können wir auch dieses Spiel gewinnen. Was aber sicherlich nicht verloren werden darf, ist die Cleverness im Angriff und vor allem auch die Coolness in der entscheidenden Phase des Spiels. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir dies hinkriegen werden und die zwei Punkte in Konstanz behalten können.

 

Bei dir persönlich läuft es auch immer besser. Hast du das Gefühl, mittlerweile vollkommen in einem neuen Land, einer neuen Liga und in einer neuen Stadt und Mannschaft angekommen zu sein?

 

Die letzten Spiele waren nicht so schlecht, jedoch bin ich noch lange nicht da, wo ich sein will und auch sein könnte. Es braucht nun mal seine Zeit, um sich an die neuen Dinge zu gewöhnen und die muss ich mir wohl oder übel noch geben. Menschlich bin ich jedoch gut in meiner neuen Heimat angekommen und auch vom Team sehr gut aufgenommen worden, was mir das Ganze sehr erleichtert hat. Nun muss das Sportliche folgen, jedoch sehe ich dem sehr positiv entgegen.

 

Wo liegen denn die Unterschiede zwischen der Schweizer Eliteklasse und der 3. Liga in Deutschland?

 

Die Unterschiede sind nicht sehr groß. Das Spiel in der Nationalliga A ist meines Erachtens ein wenig schneller als in der 3. Liga, dafür wird hier mehr im Eins-gegen-eins agiert. Was das Niveau angeht, glaube ich, dass die Spitzenteams der 3. Liga in der Schweizer Eliteklasse im hinteren Bereich durchaus mitspielen könnten.

 

Du bist Spielmacher und hast den Schritt in das Handball-Mutterland Deutschland bewusst für die sportliche aber auch berufliche Laufbahn und zur persönlichen Weiterentwicklung gewagt. Ist Weltklasse-Mittelmann Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen ein Vorbild für dich, zumal er aus Horgen am Zürichsee stammt, fast direkt am gegenüberliegenden Ufer zu Stäfa …

 

Andy sollte für jeden Mittelmann ein Vorbild sein. Für mich als Schweizer ist dies natürlich noch spezieller, da er gerade auch den Schritt ins Ausland nach Dänemark in eine vermeintlich schwächere Liga gewagt hat, um seine Karriere ins Rollen zu bringen. Ich sehe mir gerne Spiele von ihm an und versuche, seine Stärken so gut es geht im Training zu forcieren.

 

In der Vorbereitung habt ihr gegen viele Schweizer Erst- und Zweitligisten gespielt und du hast dich scherzhaft selbst als Dolmetscher in der Schweiz bezeichnet. Was gehört beim Besuch eines Schweizer Handballspiels zum Grundvokabular, das man unbedingt kennen sollte?

 

An die Positionsnamen musste ich mich hier zuerst schon einmal gewöhnen. Bei uns sagen wir zu den Außen „Flügel“ und zu den Halbspielern „Zweier“, da gab es einige Male komische Blicke und Nachahmungen meiner Mitspieler. Dass der „Penalty“ in Deutschland Siebenmeter heißt, ist auch noch gewöhnungsbedürftig. Ansonsten kommt man mit dem deutschen Handball-ABC in Schweizer Hallen sehr gut zurecht.

 

Du bezeichnest Handball als den besten Sport der Welt. Da sind wir uns einig. Aber wie kommt man in der Schweiz zum Handball, der dort leider immer noch – trotz beachtlicher Erfolge der Jugend- und Junioren-Nationalmannschaften – eher als Randsportart gilt?

 

Da ich zwei so handballverrückte Eltern habe, fiel dieser Schritt nicht sehr schwer. Bereits kurze Zeit nach meiner Geburt war ich in der Halle und schaute mir Spiele meiner Eltern an. Spätestens, als ich mit fünf Jahren dann endlich alt genug war, um bei den Junioren mittrainieren zu können, war ich der Faszination Handball verfallen. Durch die gute Jugendförderung in meinem Stammclub TV Uster und danach beim Partnerverein HC GS Stäfa kam ich schlussendlich zum Leistungssport.

 

Tim, zum Schluss noch eine Frage mit einem Augenzwinkern: Warum sollten neben den Konstanzern auch die Schweizer am Samstag nicht nur in die Konstanzer Altstadt zum Shoppen strömen, sondern auch in die „Schänzle-Hölle“? Auf was dürfen sich die Fans freuen?

 

(lacht) Damit sie der ewigen Warterei am frühen Abend am Zoll entkommen können. (grinst) Spaß beiseite: Das Spiel am Samstag ist für jeden Schweizer Handballfanatiker ein optimaler Event, um zu sehen, was bereits in Deutschlands dritthöchster Liga für ein hohes Niveau gespielt wird. Ein packendes Spiel mit sehr vielen Emotionen und dazu eine volle „Schänzle-Hölle“ – für wen das nicht Anreiz genug ist, der muss sich selbst davon überzeugen kommen.

 

Fragen: Andreas Joas

 

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