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Knockout per Kempa-Trick – HSG glückt eindrucksvolle Revanche gegen Coburg

Knockout per Kempa-Trick – HSG glückt eindrucksvolle Revanche gegen Coburg

Handball 3. Liga:

HSG Konstanz – HSC 2000 Coburg 19:18 (9:9)

„Schänzle-Hölle“ treibt HSG zu achtem Sieg in neuntem Heimspiel.

Großartiges Comeback gegen großen Favoriten bedeuten 13:1 Punkte in Folge.

 

„Spannender und besser als jeder Tatort“, meinte ein erschöpfter Yannick Schatz nach dem 19:18-Sieg gegen den HSC 2000 Coburg. Was er damit meinte, war die scheinbar schon ausweglose Situation für die HSG Konstanz nach 46 Spielminuten beim Stand von 12:16, die neuerliche unfassbare Aufholjagd und ganz besonders natürlich den unglaublichen Schlusspunkt mit einem Treffer zum alles entscheidenden 19:18 sieben Sekunden vor dem Abpfiff – und das auch noch per Kempa-Trick. „Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist. Die letzten Minuten waren extrem nervenaufreibend“, beschrieb Cheftrainer Daniel Eblen die an ihm zehrende Gefühlsachterbahn vor allem in der letzten Viertelstunde der Partie. Solch eine Dramaturgie und solch ein Ende kann es nur im Sport und hier allen voran im Handball geben. Was bei jeder Verfilmung als zu unrealistisch gelten und damit verworfen werden würde, war am Samstagabend in der „Schänzle-Hölle“ Realität geworden.

 

Es scheint sie also doch zu geben, die (ausgleichende) Gerechtigkeit. Hatte die HSG im Hinspiel in der Coburger Arena nach zwischenzeitlicher Vier-Tore-Führung in der 52. Minute in allerletzter Sekunde eine brutale 24:25-Niederlage durch einen glücklichen, weil abgefälschten Wurf, hinnehmen müssen, so gelang nun im Rückspiel die eindrucksvolle Revanche. Im Vorfeld hatte man sich auf Seiten der Konstanzer viel vorgenommen, wollte diese Scharte unter allen Umständen auswetzen und die tolle Erfolgsserie unbedingt ausbauen. Die ersten Minuten dämpften die Erwartungen aber umgehend. Es war ernüchternd, wie abgezockt die erfahrene Truppe aus Coburg dem jungen Konstanzer Team immer wieder den Zahn zog und die HSG überhaupt nicht in das Spiel kommen ließ.

 

Die mit 16 Spielern angereisten Gäste aus Oberfranken rührten mit der besten Abwehr der Liga und einem glänzend auflegten norwegischen Schlussmann Havard Martinsen förmlich Beton mit ihrer Deckung an. Mit lang, aber oftmals doch erfolgreich ausgespielten Angriffen und einer bärenstarken Defensive gingen die Coburger nach neun gespielten Minuten bereits mit 4:0 in Führung. Die ohne den nach wie vor an einer hartnäckigen Wadenverletzung laborierenden Marc Hafner angetretene HSG mühte sich bis zur zehnten Minute vergeblich um einen Torerfolg, bis Simon Flockerzie mit einem Treffer vom Kreis den Bann brechen konnte und zum 1:4 erfolgreich war. Daniel Eblen hatte dabei vor allem nach dem Hinspiel mit einer fantastischen Leistung von Mathias Riedel erwartet, „dass der HSC offensiver agieren würde, zumal Mathias Riedel im letzten Spiel in Heilbronn zehn Treffer erzielen konnte. Dazu haben wir einiges einstudiert, doch nachdem Mathias gleich zu Beginn etwas Wurfpech hatte, hat Coburg sehr defensiv in der Deckung agiert.“

 

Durch über den Haufen geworfene Überlegungen und einen Block, der den Außen und dem Rückraum der HSG überhaupt keinen Platz ließ, dauerte es einige Zeit, bis Konstanz sich sortiert, neu eingestellt, die Nervosität und den Respekt abgelegt sowie die passenden Gegenmittel gefunden hatte. Dann aber umso besser, denn nach dem 3:5 (17.) gelang in der 26. Minute erstmals wieder der Ausgleich zum 8:8 durch Stefan Bruderhofer. Schon früh zeichnete sich dabei zwischen der drittbesten und besten Abwehrreihe der Liga eine körperbetonte Abwehrschlacht ab, in der wenige Tore fallen würden. Daniel Eblen hatte es geahnt und ging davon aus, dass sein Team eine Chance haben würde, sofern es unter 20 Gegentreffern bleiben würde. Zur Halbzeit lag seine Mannschaft im Soll, konnte man sich doch mit einem 9:9 in die Pause begeben.

 

Und auch nach der Halbzeit kam Konstanz in der erwartet umkämpften Begegnung immer besser in Tritt. Die Abwehr stand der der Gäste in nichts nach und auch Mannschaftskapitän Patrick Glatt lieferte sich mit Havard Martinsen ein Duell um die Krone des besten Torhüters. Nun nahm die Partie mit vielen unerwarteten Wendungen und damit auch das Gefühlschaos für die 800 begeistert mitgehenden Zuschauer richtig Fahrt auf. Zunächst lag die HSG durch zwei Treffer in Folge direkt nach der Pause – und erstmals überhaupt – mit 11:9 in Front. Dann jedoch war wieder ausschließlich der HSC Coburg am Drücker und erzielte seinerseits sogar deren fünf Treffer in Folge, ohne dass die HSG zwischenzeitlich auch nur einmal zu einem Torerfolg gekommen wäre. Aus 11:9 wurde binnen 13 Minuten ohne eigenes Erfolgserlebnis ein 11:14 (43.). Drei Minuten später sollte es noch schlimmer kommen, denn der HSC schien mit dem verwandelten Siebenmeter von Johan Andersson zum 12:16 uneinholbar auf der Siegerstraße.

 

Wer jedoch die HSG Konstanz nach solchen Rückständen schon geschlagen sieht, der wird in dieser Saison (meist) eines besseren belehrt. Es dauerte keine vier Minuten und Konstanz war wieder eindrucksvoll zurückgekommen und voll zurück im Spiel, denn Yannick Schatz hatte gerade unter tosendem Jubel der 800 Zuschauer mit einem verwandelten Siebenmeter den Anschluss zum 15:16 herstellen können (50.). Als wiederum Yannick Schatz dann den 17:17-Ausgleich erzielte, stand die Halle Kopf und die „Schänzle-Hölle“ brannte. Keiner in der Halle saß mehr auf seinem Platz. Und nun nahm das Drama wie im Hinspiel seinen Lauf, die Leidtragenden waren nur dieses Mal die Coburger: Der HSC erzielt sein letztes Tor zum 17:18 (56.), Fabian Schlaich netzt nach einem Ballgewinn fast zwei Minuten vor dem Ende per Gegenstoß zum 18:18 ein, bevor sowohl Daniel Eblen als auch Jan Gorr auf Seiten des HSC, der als Co-Trainer auch die deutsche Nationalmannschaft betreut, jeweils eine Auszeit nehmen.

 

Gefruchtet hat letztlich nur die Ansage des Konstanzer Übungsleiters, denn „ich habe gesagt wir wollen gewinnen, spielen es aus, gehen dann das Risiko“, so Daniel Eblen, „und spielen dann den unter der Woche so einstudierten Kempa-Trick“. Ein Volltreffer, denn es gelang genau das, was sich die HSG Konstanz vorgenommen hatte. Fabian Schlaich passte von ganz links außen auf den auf der rechten Seite lauernden und in den Kreis eingesprungenen Paul Kaletsch. Ein perfekter Kempa-Trick zum 19:18 – sieben Sekunden vor dem Schlusspfiff. Paul Kaletsch verhinderte sofort den schnellen Gegenangriff und erhielt die rote Karte. Durch die Disqualifikation mit Bericht wird er im nächsten Spiel fehlen – und dennoch konnte er sich damit trösten, dass sein Treffer und das anschließende Foul den 19:18-Heimsieg bedeuteten. „Der Pass kommt perfekt, ich habe das richtige Timing…einfach nur geil, dass das Ding reingeht“, tat Paul Kaletsch seine Freude kund. Coburg wechselte zwar noch einen siebten Feldspieler ein, scheiterte aber am Block von Simon Flockerzie. „Auswärts hätten wir das nicht mehr umgebogen, aber mit der phänomenalen Unterstützung unserer Fans im Rücken hat jeder Einzelne noch einmal drei, vier Schritte mehr gemacht“, meinte Daniel Eblen zum erneut erfolgreich gestalteten Finale Furioso.

 

Was folgte war eine Kopie des Hinspiels: Grenzenloser Jubel auf der einen, Fassungslosigkeit und pure Enttäuschung auf der anderen Seite. Nur die Protagonisten waren andere, denn feiern durften dieses Mal die Konstanzer, während die Coburger mit gesenktem Haupt das Spielfeld verließen. Die Revanche ist der HSG damit eindrucksvoll geglückt, die Serie auf nunmehr sieben Spiele ohne Niederlage und 13:1 Punkte in Folge ausgebaut worden. Zudem konnte im neunten Heimspiel der achte Sieg eingefahren werden. Eine besondere Genugtuung nicht nur für Paul Kaletsch gegen seinen Ex-Trainer aus Hüttenberger Zeiten, sondern eine besondere Freude auch für Mathias Riedel. Im Hinspiel hatte er noch mit sieben Treffern überzeugen können, war aber am Ende zugleich der Pechvogel, der den letzten Wurf vergab und im Gegenzug den allerletzten HSC-Angriff unglücklich abfälschte, sodass der Ball in das Tor trudeln konnte. Und nun konnte er sich am Tag vor seinem 26. Geburtstag zusammen mit seinem Team selbst den perfekten Start in seinen Ehrentag bereiten. Auch wenn er wie Patrick Glatt nach dem Spiel erst einmal „Game over“ war, denn es war ein positives Gefühl der Erschöpfung. Ganz anders als im Hinspiel, als sich nur eine große Leere breit gemacht hatte…

 

HSG Konstanz: Glatt, Folchert (Tor); Kaletsch (1), Mittendorf, Oesterle, Groh (1), Riedel (1), Flockerzie (1), Schlaich (3), Faißt (4), Schatz (6/5), Babik, Lauber (1), Bruderhofer (1).

Zuschauer: 800

 

Beitrag von HSG Konstanz.       
 
 

 

 

Video mit der Siegesfeier.

 

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