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Berichte

Präsident Otto Eblen über Aufstieg, Sponsoring und hauptamtliches Management

Daniel-und-Otto-Eblen_HSG-Konstanz Vater und Sohn arbeiten an gemeinsamen Zielen: HSG-Cheftrainer Daniel Eblen (links) und Präsident Otto Eblen.

Otto Eblen engagiert sich seit mehr als 50 Jahren in verschiedenen Funktionen wie der Jugendarbeit, als Trainer und im Management bei der HSG Konstanz. Seit 1991 ist der 70-Jährige Präsident der HSG. Otto Eblen hat zwei Söhne, zwei Töchter und acht Enkel, sein Sohn Daniel trainiert seit Anfang 2004 die erste Mannschaft.

 

Im Gespräch mit HSG-Pressesprecher Andreas Joas blickt Otto Eblen auf ein weiblicher gewordenes Präsidium, die Herausforderungen wie beispielsweise fehlende Hallenzeiten und die Hoffnung auf einen baldigen Baubeginn für den Anbau der Schänzle-Sporthalle und gibt einen Einblick wie sich die HSG Konstanz langfristig einen Platz in der 2. Bundesliga sichern möchte.

 

Herr Eblen, macht es gerade Spaß, wenn Sie auf Ihr Lebenswerk HSG Konstanz blicken?

(lacht) Das kommt ganz auf die Tageszeit an. Es ist wie im Leben: es gibt ein stetiges Auf und Ab. Wichtig ist, die Ziele im Blick zu behalten und das zu erreichen, was man sich vorgestellt hat. Die heutige Zeit ist unwahrscheinlich schnelllebig. Erfolg und Niederlage wechseln sich schnell ab, deshalb darf man sich nicht vom Erfolg blenden lassen aber genauso wenig bei Niederlagen den Kopf verlieren. Wir bieten kein körperliches Produkt an, sondern arbeiten ausschließlich mit Menschen zusammen. In vielen Gesprächen mit unseren Sponsoren spüren wir, dass sich unser Status verändert hat und man eine Entwicklung ablesen kann. Wir sind daher überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Die HSG Konstanz hat sich zum Ziel gesetzt, langfristig einen Platz in der 2. Bundesliga zu erobern und zu sichern. Wie soll das in einer ab kommender Saison auf 18 Teams reduzierten „stärksten zweiten Liga der Welt“ gelingen?

Es gibt viele schlaue Menschen wie etwa Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule in Köln, die sich über die Organisation und die Struktur im Sportbetrieb Gedanken machen. Seine wichtigsten Punkte für einen zukunftsfähigen Verein waren Investitionen in den Jugend-Leistungsbereich, um Anreize zu setzen und Nachwuchs für die Spitze zu haben. Das machen wir seit Jahren. Außerdem qualifizierteres Personal, das sich ständig weiterbildet. Mit 40 lizenzierten Übungsleitern, ein Drittel davon mit A- oder B-Schein, sparen wir auch daran nicht.

 

Welche Bedeutung kommt der Organisationsstruktur abseits des sportlichen Bereichs dabei zu?

Weitere Punkte von Breuer sind, dass 30 bis 40 Prozent der Führungskräfte Frauen sein sollten. Erst kürzlich wurde unser Präsidium einstimmig wiedergewählt. Für den berufsbedingt ausscheidenden Frank Kunde ist Meike Hof neu mit dabei, außerdem Susanne Röver. Cleo Oexle ist als Athletiktrainerin verantwortlich, Vera Eblen im Sport-Garten, Maria Path in unserem Catering-Team. Erwähnenswert ist auch die Wiederwahl von Patrick Volz, der mit 19 Jahren bereits Handball-Abteilungsleiter des TV Konstanz ist. Bei all den Maßnahmen kommt hinzu, dass bei der Mitgliedergewinnung die Qualität der Arbeit ausschlaggebend ist. Nur mit Ehrenamt geht das nicht mehr. Die Ehrenamtlichen müssen durch Hauptamtliche in die Lage versetzt werden, ihren wertvollen Beitrag einbringen zu können. Es gibt Zeiten und Umfänge, da stößt das Ehrenamt an Grenzen.

 

Im sportlichen Bereich sehen dies schon viele Vereine. Gilt dies auch im Management?

Auf der einen Seite gibt es viele junge, qualifizierte Kräfte, die einen geeigneten Arbeitsplatz suchen, um sich zu verwirklichen. Auf der anderen müssen Vereine strukturell und finanziell in die Lage versetzt werden, um ihr eigenes Nachfolgeproblem damit lösen zu können. Es gibt genügend Beispiele, wo Vereine mittlerweile von Rechtsanwälten verwaltet werden. Dort geht es nur um das Überleben, eine Vereinsentwicklung findet nicht mehr statt. Schlagworte wie Bürgerschaftliches Engagement helfen hier nicht weiter. Wenn wir es nicht schaffen, diese mit  vielen Steuergeldern gut ausgebildeten Kräfte zu nutzen, werden die Auswirkungen immens sein. Wir sind bereits Ausbildungsbetrieb für ein Duales Studium und bieten Nachwuchskräften des Bodensee Campus die Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und Aufgaben zu übernehmen.

 

Lassen Sie uns auf die aktuelle sportliche Lage blicken. In dieser Saison steht aufgrund der Relegation – nur drei der vier Staffelmeister steigen auf – die Spielklasse für die kommende Saison im Extremfall erst am 2. Juni fest, vier Wochen nach dem regulären Saisonende. Eine große Herausforderung in der Planung?

Ohne eine gute Struktur wird es nie langfristigen Erfolg geben. Sonst sind lediglich „Eintagsfliegen“ möglich. Wir müssen unserem Umfeld klarmachen, dass die Prioritäten so gesetzt werden müssen, dass wir vor der Verpflichtung eines weiteren neuen Spielers immer prüfen, ob das Geld nicht besser in der Struktur investiert ist. Unsere Existenz hängt damit nicht von der Spielklasse ab. Ziel ist es, uns stetig und langfristig weiterzuentwickeln, unabhängig von einzelnen Personen, sodass die Struktur auch Wechsel auffängt. Hier haben wir bereits einiges aufgebaut, das sich langfristig bemerkbar machen wird. Das geht von ganz unten los und geht bis ganz oben.

 

Wie sieht es um das Sponsoring in dieser Lage aus?

Wir machen klar, in welcher Situation wir sind und haben es geschafft, dass fast alle Verträge unabhängig von der Spielklasse sind. Das setzt voraus, dass Sponsoren nicht nur den sportlichen Erfolg, sondern uns als Dienstleister und Marketing-Plattform sehen. Das ist uns durch eine gestiegene Wertigkeit und neue Angebote wie den Livestream, über den uns weltweit Fans begleiten, gelungen. Die Gespräche waren sehr positiv und es wird neue Sponsoren geben. Die Partner sind von uns überzeugt, hier arbeiten wir auf einer ganz anderen Ebene und mit einem anderen Satus als vor ein paar Jahren. Bei der Mannschaft gehen wir ähnlich vor. Die neue Mannschaft, die wir planen, wird so in der 2. oder 3. Liga spielen. Wir machen das Maximale mit unseren Möglichkeiten und Zuschauer, Sponsoren und Umfeld sehen, dass wir etwas Sinnvolles tun – auch im Misserfolg wie in der letzten Saison mit dem Abstieg.

 

Ist die 2. Bundesliga aktuell dennoch das Ziel, wird die Lizenz zum 1. März mit Darstellung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bis 31. März beantragt?

Wir haben schon vor dem ersten Spiel gesagt, dass wir gerne wieder nach oben wollen. Da haben viele noch mit dem Kopf geschüttelt. Im Sport kommt man jedoch nur weiter, wenn man Ziele klar definiert. Dazu gehören die wirtschaftliche Basis und die Unterstützung der Stadt, die wir dafür benötigen. Die Anforderungen an das Jugendzertifikat steigen weiter, die 2. Bundesliga wird sich mit nur noch 18 Vereinen weiter professionalisieren. Das stellt weitere Anforderungen, denen wir uns stellen und in die man investieren muss. Dabei werden wir unseren eigenen Weg finden und gehen. Dann bin ich guter Dinge, dass wir es schaffen werden.

 

Der Mangel an Hallenzeiten droht jedoch manche Entwicklung im Ausbau des Trainingsbetriebs zu bremsen.

Zu all den genannten Punkten gehört die passende Infrastruktur. Wir benötigen dringend den geplanten und von allen Seiten unterstützten Hallenanbau der Schänzle-Sporthalle. Wir sind am Anschlag, davon sind alle Vereine betroffen. Das hat der Gemeinderat erkannt. Nun muss sich schnell etwas tun. Wie sollen wir sonst Schlittschuhfahren, wenn wir kein Eis haben? Wir wollen mit der ersten Mannschaft in der 2. Bundesliga, der U23 in der 4. Liga und sämtlichen Jugendteams jeweils in der höchsten Liga spielen und unseren Sportgarten weiter ausbauen. Die Mittel für den Jugendleistungsbereich erwirtschaftet zum großen Teil die erste Mannschaft. Schon alleine deshalb müssen die Einstellung und der Biss bei jedem da sein. Diesen Spagat müssen wir hinbekommen, denn es wird nie so sein, dass wir uns nur fertige Spieler kaufen. Wir müssen sie uns selbst machen. Dafür müssen die entsprechenden Trainingsmöglichkeiten für alle Teams gegeben sein.

 

Aktuell führt die HSG mit sechs Punkten Vorsprung das Feld in der 3. Liga Süd an. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Wir haben gehofft, dass sich das Team so findet, wie es das getan hat. Wir hatten keine einfache Situation und mussten alle erst einmal den Abstieg verdauen und neue Spieler integrieren. Es hat sich jedoch wieder einmal bezahlt gemacht, die Neuzugänge auch nach Charakter auszuwählen. Dies zeigt auch die Qualität des Umfeldes und Trainerstabes, die aus dieser Situation eine Erfolgsgeschichte gemacht haben. Dabei darf man nicht vergessen, dass es etwas anderes ist, mit einem fertigen Team nur zu sehen, dass alle bei Laune gehalten werden oder man einen kompletten Neuaufbau bewerkstelligen muss. Mit einem möglichen Aufstieg würden die Anforderungen allerdings weiter steigen, die Trainingsumfänge und der Aufwand nochmals zunehmen. Dann würde sich zeigen, ob wir den nächsten Schritt schaffen.

 

Was macht aus Ihrer Sicht den von vielen Seiten hervorgehobenen besonderen Geist der Drittliga-Mannschaft aus?

Ich habe noch die Stimmen vom „Ausverkauf“ bei jedem einzelnen Abgang und vom „Untergang“ nach dem Abstieg im Kopf. Veränderungen werden oft erst einmal nur negativ gesehen. In Veränderungen liegen zugleich Chancen. Wir haben nach dem Abstieg viel verändert und sind froh, dass es so gut funktioniert hat. Unsere Athletiktrainerin Cleo Oexle ist hier hervorzuhaben, die mit ihrem fachlichen Hintergrund und ihrem Umgang, der weiblichen Komponente, daran einen entscheidenden Anteil hat. Für Typen wie Fabian Wiederstein war eine Veränderung eine große Chance. Diese einzelnen Komponenten fügen sich zum Erfolg zusammen. Es wird nicht immer so weitergehen, deshalb arbeiten wir jeden Tag an unseren Zielen. Erreicht ist noch gar nichts.

 

Zwölf Spiele liegen noch vor der HSG Konstanz. Geht nach der Pause alles wieder bei null los?

Wenn man das Training beobachtet, wird klar, dass wir ein anderes Niveau als zum Saisonstart haben. Es wird kein Selbstläufer, aber die Mannschaft möchte jedes Spiel gewinnen und aufsteigen. Auswärts, gerade in Pfullingen, ist es immer schwer. Wenn wir jedoch wie bisher als Einheit auftreten, bin ich überzeugt, dass wir zufrieden sein können.

 

Lassen Sie uns noch kurz auf die Euphorie bei der Weltmeisterschaft blicken. In Konstanz herrschte schon im vergangenen Jahr mit bereits 10.000 Besuchern bei den zehn Heimspielen eine ähnliche Begeisterung. Rechnen Sie nun mit einem Handball-Boom?

Der Erfolg der Nationalmannschaft schadet uns sicher nicht. Die Frage ist, wie er uns hilft. Jeder Verein muss hier seine eigenen Wege gehen. Das Public Viewing in der Schänzle-Sporthalle wurde mit über 300 Fans sehr gut angenommen. Ob jedoch eine Mutter wegen zwei Gensheimer-Toren mehr ihr Kind zu uns in den Sport-Garten bringt, ist zu bezweifeln. Hier gelten andere Maßstäbe und vor allem die Qualität des Angebots. Jeder einzelne im Team, im Umfeld, jeder Helfer hinter der Theke oder Ordner hat eine wichtige Aufgabe als Teil des Erfolges. Die Heimspiele sind für uns das Ergebnis dieser Arbeit. Wenn die Halle voll ist, freuen wir uns über das, was wir richtig gemacht haben. Mit unseren jüngsten Aktivitäten wollen wir uns noch mehr am Markt und in der Stadt positionieren. Auf diesem Weg wollen wir alle mitnehmen.

 

Fragen: Andreas Joas

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