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Sebastian Groh und Simon Flockerzie im Doppelinterview: „Unserer Mannschaft gehört die Zukunft!“

Sebastian Groh und Simon Flockerzie im Doppelinterview: „Unserer Mannschaft gehört die Zukunft!“

Nach dem missglückten Saisonstart in die 3. Liga mit 4:8 Punkten nach sechs Spielen unterhielt sich HSG-Pressesprecher Andreas Joas mit den beiden Kreisläufern der HSG Konstanz und ging im Doppelinterview den Gründen für die jüngsten Misserfolge und die Auswärtsschwäche auf den Grund. Zudem wagten die beiden Führungsspieler einen Ausblick auf die nähere und weitere Zukunft des jungen HSG-Teams.

 

Zu den Personen:

Der 28 Jahre alte Bachelor- und Master-Absolvent Simon Flockerzie hat sich auf dem Spielfeld als „Flocke", wie er liebevoll von den Fans bejubelt wird, längst als Leistungsträger und Leitwolf etabliert, der sich auch im Management der HSG Konstanz gewinnbringend einsetzt. Der in Weingarten geborene Flockerzie spielte vor seinem Wechsel zur HSG Konstanz im Oktober 2010 lange Jahre bei HBW Balingen-Weilstetten.

 

Sebastian Groh, der 26-jährige zweite Kreisläufer im Team der HSG, spielt seit 2011 in Konstanz. Bevor er an den Bodensee kam, hatte er bereits eine Ausbildung zum Physiotherapeuten erfolgreich abgeschlossen. Zunächst wollte er anschließend Medizin studieren, mittlerweile hat er sich jedoch für ein Parallelstudium der Wirtschaftswissenschaften und Sport entschieden – und seine Wahl nicht bereut. Das Handball-ABC erlernte er beim TuS Schutterwald, bevor er für die SG Köndringen/Teningen auf Torjagd ging.

 

Die jüngste 19:23-Niederlage in Auerbach ist wohl schwer zu erklären. Dennoch: Woran hat es denn gelegen?

Flockerzie: Zunächst einmal muss man sagen, dass wir eine deutlich verbesserte, gute Abwehr gestellt haben – das war positiv. Im Gegensatz dazu haben wir in der Offensive viel zu langsame Bälle ohne Druck gespielt, dazu immer über die Mitte und zu allem Überfluss haben wir dabei leider auch noch oft unsere Spielzüge nicht richtig fertiggespielt. Dadurch mussten wir schnell einem Rückstand hinterherlaufen, folglich gezwungenermaßen das Risiko erhöhen und sind dann durch viele Fehler und den daraus resultierenden schnellen Gegenstößen gerade dann wieder zurückgeworfen worden, als wir uns eben wieder herangekämpft hatten.

 

Am Samstag kommt der ebenfalls überraschend schlecht in die Saison gestartete Aufsteiger TGS Pforzheim nach Konstanz. Was sind eure Erwartungen und Ziele?

Groh: Als Aufsteiger muss man sich immer erst einmal an die 3. Liga gewöhnen. Pforzheim hat wirklich sehr, sehr gute Einzelspieler, die sich als Mannschaft erst noch finden müssen. Dabei lief bei Pforzheim sicher auch die Vorbereitung nicht optimal, als sie sich kurzfristig von ihrem Trainer getrennt haben. Sie stehen wie wir unter Druck und dürfen eigentlich nicht verlieren. Wir müssen gegen einen guten Aufsteiger unbedingt gewinnen, das haben wir uns selbst eingebrockt – doch wir wollen und müssen uns jetzt wieder aus dieser Situation befreien.

 

Fünf Neuzugänge mussten in das Team integriert werden. Wie funktioniert das Zusammenspiel inzwischen?

Groh: Früher hat sich unser Team quasi von alleine aufgestellt, jetzt haben wir viele Wechseloptionen. Logischerweise greifen dabei aber noch nicht alle Rädchen ineinander und das über die Jahre perfektionierte Zusammenspiel haben wir noch nicht wieder erreicht. Dadurch ist es ein anderes Spiel, man ist noch nicht so auf die neuen Mitspieler abgestimmt und befindet sich in einer neuen Situation, denn das lange, sehr intensive Zusammenspiel mit wenigen gewohnten Partnern gibt es so nicht mehr.

 

Zwei Heimsiegen stehen vier Auswärtsniederlagen gegenüber. Wie schätzt ihr angesichts der 4:8 Punkte den Saisonstart ein?

Flockerzie: Wir mussten ausnahmslos bei starken Heimmannschaften antreten, das haben wir nun hinter uns. Insofern war es schon ein sehr undankbares Auftaktprogramm, das wir zu absolvieren hatten. Durch die Misserfolge kommt Unsicherheit und Druck auf, gleichzeitig verliert man an Selbstbewusstsein und blockiert dadurch auch in der einen oder anderen Situation. So kommt es zu einem missglückten Saisonstart – dabei ist wesentlich mehr Potential in der Mannschaft.

Groh: Wir sind als Team noch nicht richtig eingespielt, dadurch kommt das wahre Leistungsvermögen noch nicht auf dem Spielfeld an. Wie Flocke schon sagte: wir haben definitiv viel mehr Potential – genauso wie unser Gegner Pforzheim.

Flockerzie: Dabei verlieren wir unsere Spiele vor allem durch schlechte Phasen. Wenn es eng wird, entscheiden Kleinigkeiten wie eine bessere Abstimmung, die Tagesform oder eben der Heimvorteil. Wenn da nicht 100 Prozent passen und man noch nicht richtig eingespielt ist, verliert man. Dabei muss ich auch sagen, dass ich die 3. Liga noch nie so ausgeglichen erlebt habe. Es gibt weder klare Abstiegs- noch Aufstiegskandidaten, die nicht auch von jedem anderen Team bezwungen werden könnten.

 

Warum tut ihr euch derzeit besonders auswärts so schwer?

Flockerzie: Wenn Kleinigkeiten entscheiden, können dies auch der Heimvorteil und die damit eventuell verbundenen Schiedsrichterentscheidungen für das Heimteam sein. Auswärts muss umso mehr jedes Rädchen in das andere greifen, um erfolgreich sein zu können. Wir werden einfach noch ein paar Wochen Zeit brauchen, bis der Sand im Getriebe völlig weg ist, denn selbst bei unseren Heimsiegen lief längst noch nicht alles rund.

Groh: Vor dem eigenen Publikum ist man immer etwas heißer, wird auch von der Unterstützung getragen. Auswärts hast du nur eine Chance, wenn du richtig abgezockt agierst, wenn es lange eng bleibt, du gut eingespielt bist und klare Sachen spielen kannst, sodass Schiedsrichterentscheidungen – möglicherweise durch die Zuschauer beeinflusst – gar nicht erst entscheidend für das eigene Spiel und den Spielausgang sein können.

Flockerzie: Dabei frage ich mich schon, ob es in letzter Zeit eine Regeländerung gegeben hat. Wir Kreisläufer kämpfen für unser Team und bekommen dabei zuletzt unwahrscheinlich viel abgepfiffen, müssen aber andererseits enorm viel einstecken, ohne dass dies geahndet werden würde.

Groh: Da fehlt auch mir immer wieder die Balance in diesen Entscheidungen. Traditionell lief bei der HSG Konstanz immer viel über das Zusammenspiel des Rückraums mit dem Kreis, doch das wird zuletzt oft unterbunden. Natürlich sucht man sich immer einen Gegenspieler der einem körperlich möglichst unterlegen ist, doch eine Sperre muss erlaubt sein – sonst hast du keine Chance. Um eines klarzustellen: Die Niederlagen sind nicht auf die Schiedsrichter zurückzuführen, aber dennoch wurden wir Kreisläufer durch diese Entscheidungen einige Male regelrecht aus dem Spiel genommen.

 

Wie wird es weitergehen und was ist mit der jungen, im Durchschnitt erst 23,0 Jahre alten, Mannschaft in Zukunft möglich?

Flockerzie: Zuallererst müssen wir uns sowohl im Angriff als auch in der Abwehr weiter stabilisieren und sechzig Minuten konstant spielen – dann werden wir auch viele Spiele gewinnen. Dazu gilt es, alle vollständig in unser System einzugliedern – das braucht Zeit, aber nur so kann es gehen, denn Handball ist sehr komplex.

Groh: Es muss Geduld bewahrt werden. Unsere Spiele werden kommen, ebenso wie unerwartete Siege. Dort, wo das Spiel die meiste Zeit stattfindet und die Abstimmung besonders wichtig ist, haben wir zwei neue Rückraumspieler (Mathias Riedel und Paul Kaletsch, d. Red.) zu integrieren. Dazu sind Matze Faißt und Flocke noch nicht wieder richtig fit.

Flockerzie: Ja, und wir brauchen einfach einen guten Rossi (Patrick Glatt, d. Red.) und einen fitten Matze Faißt um in der Liga bestehen zu können. Zudem benötigt man mindestens zehn Kreisaktionen, also Tore oder herausgeholte Siebenmeter, um ein Spiel erfolgreich gestalten zu können.

Groh: Es ist vorübergehend auch so, dass ein gutes Team, das mehrere gute neue Spieler dazubekommt, erst einmal Probleme bekommen kann. Wir haben aber definitiv eine Mannschaft, der die Zukunft gehört. In zwei bis drei Jahren wird sie – wenn sie zusammenbleibt – richtig, richtig stark sein.

 

Fragen: Andreas Joas

C-Jugend auswärts in Freiburg/Zähringen
Guter Start mit 6:0 Punkten in die neue Saison

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