Sieg des Willens: HSG holt sich in Großsachsen ersten Auswärtssieg der Rückrunde

Handball 3. Liga:

TV Germania Großsachsen – HSG Konstanz 25:29 (13:15)

Gute Mannschaftsleistung mit starker Abwehr sichert den Sieg.

Konterspiel der HSG bricht Großsachsen das Genick.

 

Nach der begeisternden Vorstellung beim Triumph gegen Spitzenreiter Nußloch konnte die HSG Konstanz nun auch auswärts wieder überzeugen. Mit einer guten Mannschaftsleistung wurde der bislang siebtplatzierte TV Großsachsen mit 29:25 (15:13) bezwungen – zugleich der dritte Sieg in Folge in Großsachsen. Nach dem ersten Auswärtssieg der Rückrunde – im vierten Anlauf – hat sich die HSG zudem bis auf zwei Punkte an den Tabellendritten TV Hochdorf herangerobbt. Und genau dieser kommt am Samstag um 20 Uhr zum Spitzenspiel nach Konstanz. Mit einem weiteren Sieg im Topspiel könnte die HSG den TV Hochdorf dann gar überflügeln und selbst auf Platz drei der 3. Liga emporklettern.

 

Sie wollten ihn unbedingt, diesen Sieg in Großsachsen. Den ersten Auswärtssieg der Rückrunde – und die gute Ausgangsposition für das Spitzenspiel am Samstag gegen den drittplatzierten TV Hochdorf. Dass sie ihn auch bekamen, lag vor allem an einer wieder einmal hervorragenden Defensivarbeit im Zusammenspiel mit einem gut aufgelegten Max Folchert im Tor sowie einer überzeugenden Mannschaftsleistung. Aber auch die individuelle Klasse der neun bzw. achtmal erfolgreichen Matthias Faißt und Fabian Schlaich trug ebenso zum Erfolg bei wie das mit Simon Flockerzie und Sebastian Groh wohl beste Kreisläuferduo der Liga, das Großsachsen ebenfalls kaum in den Griff bekam und sieben Tore zum Sieg beisteuerte.

 

Es war aber vor allem ein Sieg des Willens. Nichts zeigte diesen auf Konstanzer Seite besser als die Phase zwischen der 46. und 52. Spielminute. Eng war es, das Match der Tabellennachbarn. Lediglich mit zwei Toren lag die HSG in Führung (20:18), als sich zuerst Kapitän Matthias Faißt am Geburtstag seines verstorbenen Bruders Sebastian von nichts und niemandem mehr stoppeln ließ, selbst als sich zwei Gegenspieler an ihm festgeklammert hatten. Er zerrte sie einfach ein Stück mit und markierte mit einem wuchtigen Abschluss das erste „Tor des Willens“ in dieser Phase (21:18), die das Spiel entscheiden sollte. Kurz darauf wehrte der kaum zu überwindende Block der HSG-Abwehr den Angriff des TV Großsachsen ab, bevor Matthias Stocker zum ersten und einzigen Strafwurf für die HSG zum Siebenmeterstrich schritt. Er scheiterte zwar am TVG-Schlussmann Andreas Fischer, schnappte sich aber gedankenschnell den Abpraller und setzte sich trotz großer Bedrängnis durch einen Gegenspieler im Nachwurf durch: das 22:18 für die Konstanzer (49.). Als dann auch noch Max Folchert nach einer Parade mit einem feinen Pass auf Fabian Schlaich das 23:18 mit einem Tempogegenstoß einleitete und erneut Matthias Faißt eiskalt zuschlug, war die Partie entschieden (24:18, 52.).

 

Vier Tore in Folge, in denen vor allem der große Wille entscheidend war. Denn, wie hatte HSG-Cheftrainer Daniel Eblen bei der Pressekonferenz zwar zufrieden, aber durchaus selbstkritisch angemerkt: „Wir haben im Angriff keine Bäume ausgerissen.“ Dass seine Mannschaft dennoch deutlich die Oberhand behalten hatte, schrieb er vor allem „einer richtig starken Abwehr und einem guten Torhüter“ zu. „Der Angriff war solide, aber entscheidend waren die gute Defensive und die aus der guten Abwehrarbeit resultierenden vielen Gegenstoßtore. Die haben Großsachsen richtig wehgetan“, resümierte Daniel Eblen.

 

Das, was der HSG-Trainer als ausschlaggebend beschrieb, machte Großsachsen von Beginn an mächtig zu schaffen. Dank der hervorragenden Defensive konnte sich Konstanz im Angriff auch den ein oder anderen technischen Fehler erlauben, zumal auch die Gastgeber nicht fehlerlos blieben. Angetrieben vom zu Beginn als Spielmacher agierenden Kai Mittendorf lag die HSG nach knapp zehn Minuten erstmals mit 4:3 in Führung. „Es war ein gutes und schönes Gefühl, auch mal wieder in der Offensive zu spielen. Es lief ja auch – aber es ist auch einfach super, wenn man einen Nebenmann wie Matthias Faißt hat, der einfach alle Bälle im Tor versenkt“, so Kai Mittendorf. Bis zur 17. Minute, als Konstanz erstmals mit zwei Toren in Front lag (8:6), hatten auch nur Matthias Faißt und Fabian Schlaich für die HSG getroffen. Alleine fünf Treffer davon gingen auf das Konto von Matthias Faißt. „Unser Beginn war ganz gut, die Umstellung von Großsachsen, dass sie mich kürzer decken und meine Kreise dadurch etwas eingeengt haben, allerdings auch“, so der Konstanzer Mannschaftskapitän. Stefan Pohl, Trainer des TV Großsachsen, stellte als fairer Verlierer anerkennend fest: „Wir haben uns gegen die zweitbeste Defensive der Liga nicht durchsetzen können, kaum Zweikämpfe gewonnen und aus dem Rückraum und über den Kreis kaum Tore erzielen können. Wir konnten heute gegen eine Topmannschaft, die sehr athletisch und super in der Kleingruppe gespielt hat, offensiv nichts ausrichten. Uns wurden heute die Grenzen aufgezeigt. Wir haben einige Ausfälle zu beklagen, aber wir müssen auch den verdienten Sieg der HSG anerkennen.“

 

Es blieb aber zunächst eine ausgeglichene Partie, in der sich Konstanz nie richtig absetzen konnte, zur Pause aber mit zwei Toren in Führung lag (15:13) – bis Konstanz mit purem Willen die Vorentscheidung herbeiführte und am Ende einen 29:25-Auswärtssieg bejubeln konnte. Daniel Eblen zog ein dementsprechend zufriedenes Fazit: „Es war ein gutes Spiel von uns und hat auch Spaß gemacht. Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Paul Kaletsch und Mathias Riedel sowie dem Fehlen einiger junger Spieler aus der zweiten Mannschaft wegen ihres zeitgleichen Spiels, haben heute alle ihre Leistung gebracht – auch wenn wir nicht so viel wechseln konnten.“ Besonders erfreulich war auch der erste Einsatz des 19-jährigen Linkshänders Luis Weber, der nach seinem Kreuzbandriss und anschließender langer Leidenszeit in den letzten sechs Minuten sein erstes Spiel im Drittliga-Team absolvieren konnte.

 

Jetzt fiebern bereits alle bei der HSG Konstanz auf das Spitzenspiel gegen den Tabellendritten Hochdorf am Samstag um 20 Uhr in der Schänzle-Sporthalle hin, bei dem Konstanz mit einem weiteren Erfolg an den Gästen vorbeiziehen könnte. Daniel Eblen umschreibt seine Vorfreude so: „Klar, wir freuen uns vor allem auf eine schöne Atmosphäre und ein gutes Spiel gegen einen Gegner mit einem hervorragenden Angriff, in dem alle Positionen doppelt besetzt sind. Dieses Team spielt mit einer tollen Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern aus der Kooperation mit Erstligist Friesenheim einen richtig guten Handball.“ Dass der Wille Berge versetzten kann, hat sein Team in Großsachsen allerdings schon einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auch wenn der Berg im kommenden Heimspiel noch etwas größer sein wird, so rechnet sich Daniel Eblen auch gegen Hochdorf etwas aus: „Wir haben ja mittlerweile bewiesen, dass wir an einem guten Tag – gerade zu Hause – mit jedem Gegner mithalten können.“

 

HSG Konstanz: Matti Hengst, Maximilian Folchert (Tor); Fabian Schlaich (8), Simon Oesterle, Sebastian Groh (4), Marc Hafner, Kai Mittendorf, Simon Flockerzie (3), Matthias Stocker (4), Matthias Faißt (9), Luis Weber, Stefan Bruderhofer (1).

Zuschauer: 220