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Warnschuss für dezimierte HSG: „Weiß jeder, dass es so nicht geht“

Michel-Stotz-HSG-Konstanz-Neuhausen Ein harter Kampf war es mitunter gegen Neuhausen. Hier setzt sich Michel Stotz durch.

3. Liga:

HSG Konstanz – TSV Neuhausen/Filder 32:32 (19:17)

 

Drittliga-Meister HSG Konstanz bleibt seit September 2018 daheim ungeschlagen, musste sich aber gegen den TSV Neuhausen/Filder mit einem auf den ersten Blick etwas überraschenden 32:32 (19:17)-Remis begnügen. Angesichts des nur zwölf Spieler umfassenden Kaders und fünf verletzten Leistungsträgern relativiert sich dies etwas, wiewohl die HSG gegen einen beherzt kämpfenden Gegner mit vielen Fehlern, einer ungenügenden Chancenverwertung und vor allem so nicht gewohnten Lücken in der Deckung doch über weite Strecken enttäuschte.

 

Und doch gab es sie mehrmals, die Siegchance. Kurz vor Ende, in den letzten 30 Sekunden – und das zudem in Überzahl. Doch erneut unterlief der HSG Konstanz ein folgenschwerer technischer Fehler. Statt mit dem 33:31 alles klar zu machen, landete der Pass direkt in den Fängen der Gäste. Leon Pabst ließ sich die Chance im Tempogegenstoß nicht nehmen und verwandelte eiskalt zum 32:32. Nochmals hatte die HSG danach die Siegchance, wieder verhinderte in technischer Fehler den doppelten Punktgewinn, der allerdings auch nicht wirklich verdient gewesen wäre. De letzten Aktionen standen dabei sinnbildlich für eine Partie, in der die Hausherren nie wirklich zur Form der letzten Monate fanden. Dabei schien bei nur noch 80 Sekunden Spielzeit doch noch alles gut zu gehen und der Meister mit einem blauen Auge davonzukommen. Paul Kaletsch hatte vom Strafwurfpunkt auf 32:30 gestellt.

 

Jedoch wurde die größte Schwäche seiner Mannschaft an diesem Tag nur wenige Sekunden später anschaulich aufgezeigt: Neuhausens Bester, Hannes Grundler, durfte völlig unbedrängt aus dem Rückraum abschließen. Der mit 187 Treffern zweitbeste Werfer der 3. Liga Süd nutze die Freiheiten auf seine Weise und hämmerte den Ball in die rechte obere Torecke. Die mit lediglich 703 Gegentreffern nach wie vor beste Defensive der Liga sah dabei nur zu. Ein Problem, das sich von der ersten Minute an durch das umkämpfte, am Ende sogar etwas ruppige Kräftemessen zog.

 

Enttäuscht musste HSG-Cheftrainer Daniel Eblen später zu Protokoll geben, dass seine an diesem Tag mit den Nachwuchstalenten Moritz Ebert (18), Samuel Löffler (20) und Patrick Volz (19) extrem jung und dünn besetzte Mannschaft „nicht besonders gut drauf war.“ Mit Fabian Schlaich, Tom Wolf, Tim Keupp, Simon Tölke und Fabian Maier-Hasselmann hatte er gleich auf fünf Leistungsträger verzichten müssen und verfügte bei nur zehn Feldspielern kaum über Wechselmöglichkeiten, weil auch Ersatzmann Joel Mauch aus der U23 sich im Abschlusstraining noch verletzt hatte. „Wir hatten nicht unseren besten Tag“, räumte Eblen ein.

 

Das wurde schnell ersichtlich. Die Württemberger, die im Kampf um den Klassenerhalt dringend jeden Punkt benötigen, legten gleich einmal mit 2:0 und 4:2 vor und spürten wahrscheinlich schon hier, dass Konstanz heute verwundbar war. Die HSG bekam zwar langsam etwas besseren Zugriff auf die Partie und profitierte davon, dass Spielmacher Tim Jud oft die Verantwortung übernahm und dies meist gut löste. Alleine acht Treffer gingen am Ende auf den Schweizer, der damit bester Feldtorschütze der Parte wurde. Dazu feierte Linksaußen Patrick Volz mit zwei sehenswerten Treffern zum 18- und 19:16 (29.) einen guten Drittliga-Einstand. Die altbekannten Probleme waren allerdings auch nicht durch die Drei-Tore-Führung beseitigt. Ganz im Gegenteil.

 

Im zweiten Durchgang zogen die selbsternannten „MadDogs“ bis auf drei Tore davon (26:23/42.). „Neuhausen war top drauf“, zollte Eblen dem Kontrahenten Respekt. „Die haben einen starken Angriff gespielt, waren sehr beweglich und variabel. Die Abschlüsse waren so gut wie wahrscheinlich die ganze Saison noch nicht.“ In der Tat hatten sich die Mannen aus dem Landkreis Esslingen die Führung redlich verdient. Auf der anderen Seite konnte der Konstanzer Übungsleiter auch überhaupt nicht mit der Vorstellung seiner Schützlinge zufrieden sein. „Uns hat“, monierte er, „oft der letzte Schritt in der Abwehr gefehlt.“ Dennoch waren die Gelb-Blauen nach dem 30:30-Ausgleich fünf Minuten vor Ultimo durch Tim Jud am Drücker und kurz vor dem 13. Sieg im 14. Heimspiel.

 

Eblen: „Klar sind wir nicht zufrieden. Trotz Personalmangel müssen wir anders und mit anderer Konzentration und Konsequenz spielen.“ Dabei wollte er gar nicht verhehlen, wie schwer dies angesichts der sehr frühen Entscheidung im Meisterschaftrennen sei. Kämpferisch wollte er niemandem einen Vorwurf machen, doch Fokus, ein kühler Kopf und Konzentration seien in dieser Situation viel schwerer zu halten. „Jedem ist bewusst, dass nach Ostern im Kopf einiges draufgepackt werden muss“, unterstrich der 44-Jährige. „Die Jungs werden das nicht so angehen. Es weiß jeder, dass es so nicht geht. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dies noch einmal vorgeführt zu bekommen.“

 

Nach einem spielfreien Osterwochenende empfängt die HSG Konstanz am 27. April um 20 Uhr den HC Oppenweiler-Backnang zum letzten regulären Heimspiel der Saison in der Schänzle-Sporthalle. Dann findet neben einem Vorverkauf für die Relegationsspiele zur 2. Handball-Bundesliga am 11. Mai in Eisenach und 18. Mai in Konstanz auch die offizielle Meisterehrung durch den Verband inklusive Showprogramm und Bewirtung vor der Halle direkt am Seerhein statt.

 

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Moritz Ebert (Tor); Michel Stotz (1), Matthias Hild (1), Fabian Wiederstein (1), Paul Kaletsch (7/2), Felix Krüger (3), Joschua Braun (4), Tim Jud (8), Samuel Wendel (4), Patrick Volz (2), Samuel Löffler (1).

 

Zuschauer: 900 in der Schänzle-Sporthalle Konstanz.

 

Schiedsrichter: Markus Kauth und Andre Kolb.

 

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